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Westdeutsche Zeitung: Die Zeche zahlen viele Von Stefan Küper =

    Düsseldorf (ots) - Eigentlich, so möchte man meinen, ist der Streik doch gerecht. Die Ärzte an den Uni-Kliniken bekommen mehr - und nun wollen auch die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern ihr Stück vom Kuchen. Das klingt logisch, blendet aber die Rahmenbedingungen aus.

    Natürlich ist es mehr als richtig, dass die Ärzte gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen. Unbezahlte Überstunden und Bereitschaftsdienste, 60-Stunden-Wochen  das sind Zustände, die gerade in einem Bereich, in dem es um Leben und Tod gehen kann, nicht verantwortbar sind. Etwas anders sieht es beim Gehalt aus. Viele  kommunale Krankenhäuser erwirtschaften schon heute hohe Defizite, da sie mit ihren Budgets nicht auskommen. Die von Experten  prognostizierten Mehrkosten von mindestens 700 Millionen Euro müssten entweder die Träger, also die Kommunen, oder die Krankenkassen  aufbringen. Beide Seiten haben keinen Spielraum für höhere Ausgaben, zumindest nicht, ohne an der Einnahmeschraube zu drehen. Letztlich zahlt also der Bürger  entweder über höhere Steuern oder höhere Kassenbeiträge.

    Damit allein wäre es aber nicht getan. Die Krankenhäuser ständen   unter noch größerem Druck, Kosten woanders einzusparen. Die Häuser, die das nicht schaffen, müssten schließen. Andere fusionieren oder spezialisieren sich - jede dieser Varianten kostet Arbeitsplätze, auch für Ärzte. Und Experten fürchten, dass der Rotstift in den Krankenhäusern bei dem Personal angesetzt würde, dass nicht weniger Recht hätte, sich über harte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung zu beklagen: den Pflegekräften. Der Marburger Bund wäre daher gut beraten, beim Gehalt Augenmaß zu wahren. Und Ausnahmen für die Häuser zuzulassen, deren Existenz durch den Tarifabschluss   bedroht wäre.

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