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28.06.2006 – 18:55

Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Die Zeche zahlen viele Von Stefan Küper =

Düsseldorf (ots)

Eigentlich, so möchte man meinen, ist der
Streik doch gerecht. Die Ärzte an den Uni-Kliniken bekommen mehr - 
und nun wollen auch die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern ihr 
Stück vom Kuchen. Das klingt logisch, blendet aber die 
Rahmenbedingungen aus.
Natürlich ist es mehr als richtig, dass die Ärzte gegen 
unzumutbare Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen. Unbezahlte 
Überstunden und Bereitschaftsdienste, 60-Stunden-Wochen  das sind 
Zustände, die gerade in einem Bereich, in dem es um Leben und Tod 
gehen kann, nicht verantwortbar sind. Etwas anders sieht es beim 
Gehalt aus. Viele  kommunale Krankenhäuser erwirtschaften schon heute
hohe Defizite, da sie mit ihren Budgets nicht auskommen. Die von 
Experten  prognostizierten Mehrkosten von mindestens 700 Millionen 
Euro müssten entweder die Träger, also die Kommunen, oder die 
Krankenkassen  aufbringen. Beide Seiten haben keinen Spielraum für 
höhere Ausgaben, zumindest nicht, ohne an der Einnahmeschraube zu 
drehen. Letztlich zahlt also der Bürger  entweder über höhere Steuern
oder höhere
Kassenbeiträge.
Damit allein wäre es aber nicht getan. Die Krankenhäuser ständen  
unter noch größerem Druck, Kosten woanders einzusparen. Die Häuser, 
die das nicht schaffen, müssten schließen. Andere fusionieren oder 
spezialisieren sich - jede dieser Varianten kostet Arbeitsplätze, 
auch für Ärzte. Und Experten fürchten, dass der Rotstift in den 
Krankenhäusern bei dem Personal angesetzt würde, dass nicht weniger 
Recht hätte, sich über harte Arbeitsbedingungen und schlechte 
Bezahlung zu beklagen: den Pflegekräften. Der Marburger Bund wäre 
daher gut beraten, beim Gehalt Augenmaß zu wahren. Und Ausnahmen für 
die Häuser zuzulassen, deren Existenz durch den Tarifabschluss  
bedroht wäre.

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Telefon: 0211/ 8382-2358
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