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Westdeutsche Zeitung: Vorzeige-Abschluss für Ärzte = Von Lisa von Prondzinski

    Düsseldorf (ots) - Endlich ist Schluss. Der Tarifkonflikt zwischen Ärzten und Ländern ist beendet. Damit neigt sich der Streik an Unikliniken dem Ende zu. Höchste Zeit nach drei Monaten, in denen Patienten die Leidtragenden waren: Operationen wurden verschoben, Notdienstpläne aufgekündigt und zuletzt sogar Kranke in benachbarte Kliniken verlegt. Längst bröckelte die Sympathie für die Mediziner mit ihren durchaus berechtigten Forderungen nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen. Jetzt hat der Marburger Bund einen ärztespezifischen  Vorzeige-Abschluss für die 22.000 Betroffenen durchgedrückt. Dieses Ergebnis hätte früher auf dem Tisch liegen können.

    Dass die Wortführer - Hartmut Möllring als Ländervertreter und Frank Ulrich Montgomery als Ärztesprecher - Neulinge sind in dem Tarifgeschäft, hat das Tempo gedrosselt. So hat Möllring etwa wochenlang Gespräche blockiert, während die Kliniken täglich rund 100.000 Euro Verluste infolge des Streiks hinnehmen mussten. Montgomery ließ zwar die ursprünglich geforderten 30 Prozent Lohnzuwachs fallen, ging aber taktisch bis zur Schmerzgrenze: Sogar die WM als  Druckmittel war ihm recht. Diese Sturheit zahlt sich nun vor allem für die jungen Ärzte in barer Münze aus: Sie verdienen deutlich mehr: 15 bis 20 Prozent jeden Monat plus Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die  Uniärzte können damit sehr gut leben. Wie und ob die Kliniken die Einnahmeverluste kompensieren können - etwa mit Stellenstreichungen -  wird sich zeigen.

    Trotz der Einigung geht der Verteilungskampf weiter. Der Marburger Bund will auch für Mediziner an kommunalen Krankenhäusern mehr Geld herausschlagen. Sollten diese 70.000 Mediziner die Arbeit   niederlegen, würde die Dimension des bisherigen Streiks noch weit übertroffen werden.

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