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01.01.2020 – 14:34

Westdeutsche Zeitung

Kommentar von Rolf Eckers zum Euro: Symbol für ein Europa, das stark sein kann

Düsseldorf (ots)

Sie waren groß, die Ängste vor dem Euro. Nach der harten D-Mark komme jetzt eine Weichwährung, so hieß es. Der Euro werde ein Teuro. Fast zwei Jahrzehnte ist das her. Mit Beginn des Jahres 2020 haben wir die neue Währung 18 Jahre im Portemonnaie - der Euro feiert seine Volljährigkeit. Und wie fällt die Bilanz aus? Ganz schön positiv, auch wenn Populisten und Nationalisten das ganz anders beurteilen. Die überwältigende Mehrheit der Europäerinnen und Europäer kann sich Europa ohne Euro gar nicht mehr vorstellen, zu überzeugend sind die Vorteile beim grenzüberschreitenden Bezahlen. Der Euro ist zum Symbol für die Einheit Europas geworden. Alle Länder profitieren von der gemeinsamen Währung, allen voran Deutschland. Gäbe es die D-Mark noch, hätte es die heimische Exportwirtschaft deutlich schwerer, denn die nationale Währung wäre aufgewertet worden, ausländische Kunden müssten für deutsche Produkte mehr bezahlen. Hinzu kommen die stabilen Preise. Die Inflation war seit Einführung des Euro geringer als zu Zeiten der D-Mark. Deshalb stimmt es auch nicht, dass die deutschen Sparer durch eine angeblich falsche Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) enteignet werden. Tatsache ist, dass die Realzinsen früher auch nicht höher lagen als heute. Die Zinsen der EZB sind deshalb so niedrig, weil im Euroraum zu viel gespart und zu wenig investiert wird. Außerdem: Auch wenn's richtig eng wird, ist die EZB handlungsfähig. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise beruhigte ihr Chef Mario Draghi die Märkte nachhaltig mit seiner Ankündigung, die Zentralbank werde alles Nötige tun, um den Euro zu erhalten -"whatever it takes". In einem Punkt haben die Skeptiker allerdings recht: Dem Euro fehlt ein politischer Rahmen, der für klare Strukturen sorgt. Um den beiden Weltmächten USA und China Paroli bieten zu können, muss Europa mit einer Stimme sprechen, insbesondere bei möglichen Handelskonflikten. Solche Probleme kann die EZB mit ihrer Geldpolitik nicht lösen. Eine bessere Abstimmung ist auch notwendig, wenn es um Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz geht. Was heute in nationaler Verantwortung geregelt wird, muss zentral aus Brüssel gesteuert werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat schon vor längerer Zeit ein entsprechendes Konzept auf den Tisch gelegt. Die Reaktionen aus Berlin reichen von kühl bis ablehnend. Zu groß ist die Befürchtung, der AfD noch größere Sympathien zu verschaffen. Aber ist die Angst der Deutschen vor noch mehr Europa tatsächlich so groß? Wir sollten uns endlich der Diskussion stellen, ob wir die Vereinigten Staaten von Europa wollen.

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