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05.12.2011 – 19:28

Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Weichen für ein stabiles Afghanistan wurden nicht gestellt = von Anja Clemens-Smicek

Düsseldorf (ots)

Nach all den Jahren von Krieg, von Terror, von Not und Demütigung erhalten die Menschen in Afghanistan eine konkrete Friedensperspektive und eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive." Hehre Worte eines Konferenzteilnehmers gestern in Bonn? Mitnichten. Gerhard Schröder sprach diesen Satz am 5. Dezember 2001 zum Abschluss der ersten Afghanistan-Konferenz. Dennoch könnte das Zitat des damaligen Kanzlers genauso gut in der aktuellen Abschlusserklärung stehen. Zehn Jahre später. Unterm Strich damit zehn verlorene Jahre, denn die weiland auf dem Papier beschlossene Gründung eines demokratischen Rechtsstaates (welch eine Überheblichkeit der westlichen Welt) ist an der Realität gescheitert. Das Engagement in Afghanistan hat sich für die Nato zu einem Desaster entwickelt. Sicher, mit Blick auf die schulische Bildung, die Infrastruktur gibt es Erfolge zu vermelden. Doch es lässt sich nicht wegdiskutieren: Nach wie vor herrschen in dem Land am Hindukusch Krieg, Armut, Korruption und Drogenhandel. Zudem hat sich der Glaube, dass die Taliban mit einer militärischen Intervention vertrieben werden können, endgültig als Trugschluss erwiesen. Und eine politische Lösung? Appelle von Präsident Hamid Karsai, an Friedensgesprächen teilzunehmen, gehen ebenso ins Leere wie der Versuch der Nato, die Aufständischen an den Verhandlungstisch zu bomben. Stattdessen gelingt es den Taliban immer wieder, die Isaf-Soldaten mit spektakulären Anschlägen zu demoralisieren. Damals wie heute fehlt eine überzeugende Strategie. Es ist naiv zu glauben, die Afghanen könnten nach dem Abzug der internationalen Truppen 2014 selbst für ihre Sicherheit sorgen. Ohne die Nachbarstaaten ist an Frieden und Aussöhnung nicht zu denken. Leider auch nicht ohne gemäßigte Taliban. Für die Zukunft des Landes spielt Pakistan eine Schlüsselrolle, dessen Geheimdienst und Militär die Taliban für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren. Da die pakistanische Regierung in Bonn erst gar nicht mit am Tisch saß, sind auch nach dieser Konferenz die Beschlüsse das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Wieder also nur hehre Worte. Es regiert das Prinzip Hoffnung. Zu wenig für die Menschen in Afghanistan.

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