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Westdeutsche Zeitung: Aufregung um die Aufzeichnung von Handy-Profilen = von Wolfgang Radau

Düsseldorf (ots) - In jedem besseren Tatort-Krimi spielen Handys eine entscheidende Rolle: mobile Telefone, die geortet werden können und am Ende zum Opfer eines Verbrechens oder zum Täter führen. Der erfahrene Zuschauer ahnt schon so etwas, wenn das kleine, schwarze Gerät ins Bild kommt. Im Alltag aber hat derselbe Krimi-Experte seine Antennen für möglichen Daten-Missbrauch häufig eingefahren. Was der Kommissar im Fernsehen kann und der Kriminalbeamte im richtigen Leben nutzt, beherrscht auch der Betreiber eines Mobilfunk-Netzes: aus Sende-Signalen ein Bewegungsprofil zu erstellen und abzuspeichern. Das ist keine Spezialität von Apple, sondern Alltag auch bei anderen Anbietern. Nur: Der arglose Nutzer wird oft erst wach, wenn ihm bildhaft vor Augen geführt wird, wie er unter Beobachtung steht. Die Mobilfunk-Unternehmen bringen technische Gründe ins Spiel, wozu sie solche Daten speichern. Man mag ihnen glauben, kann aber auch nicht ausschließen, dass ein Marktriese wie Apple Informationen, die ihm frei Haus geliefert werden, nicht irgendwann für geschäftliche Aktivitäten nutzt. Von Hackern, die Computernetze ausspionieren, ganz zu schweigen. Datenschützern geht es wie dem Hasen im Wettlauf mit dem Igel. Wenn sie ein Schlupfloch für Missbrauch im Umgang mit Informationen im Internet geschlossen haben, hat sich schon das nächste Loch aufgetan. Die Nutzer der elektronischen Segnungen tragen selbst ein gerüttelt Maß an Verantwortung, dass ein genaues Bild von ihnen entsteht. Sie geben Personalien preis, stellen Fotografien dazu, schildern haarklein ihr Tun und Fühlen und melden sich nicht selten in kürzesten Abständen per Handy vom jeweiligen Standort. Bunte Smartphones befördern den natürlichen Spieltrieb, auch der sonst so nüchterne Technokrat probiert und nutzt alles, was möglich ist im Netz. Und hinterlässt so seine Spuren. Ist dies der Punkt, an dem die Gesellschaft vor der Technik kapitulieren muss? Nein - im Gegenteil. Sie muss erkennen, dass Datenschutz neue Dimensionen erreicht hat und nur mit entsprechenden Mitteln und entsprechendem Personal durchgesetzt werden kann. Im aktuellen Fall muss schleunigst eine gesetzliche Regelung für die Ortung von Handy-Gesprächen her.

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