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Westdeutsche Zeitung: Die Grünen suchen einen Kanzlerkandidaten - Der Fluch der K-Frage Ein Kommentar von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Wenn der Kanzlerkandidat nicht von der CDU oder der SPD kommt, geht es immer schief. Das mussten Franz Josef Strauß von der CSU 1980 genauso wie sein Parteifreund Edmund Stoiber 2002 erleben. Noch schmerzlicher war zeitgleich mit Stoiber die Erfahrung für Guido Westerwelle. Sein propagiertes Ziel für die FDP hieß 18, enttäuschende 7,4 Prozent kamen heraus. Jetzt stellen sich auch die Grünen erstmals die sogenannte K-Frage. Allerdings gibt es einen gehörigen Unterschied zur FDP-Bewerbung: Bei der Öko-Partei ist das kein Wahlkampf-Gag, sondern wegen der Umfragen notwendig. Als stärkste Fraktion dürften sie den Regierungschef stellen.

Dass diese Idee nicht exotisch ist, zeigt Baden-Württemberg. Auch dort hätte vor zwei Jahren kaum jemand einen grünen Ministerpräsidenten erwartet. Zudem sind zumindest Teile der Grünen so weit bürgerlich geworden, dass selbst konservative Wähler sich so etwas vorstellen können. Entscheidend wird sein, wen die Grünen nach vorne schicken: Ein Joschka Fischer etwa hat als Minister hinlänglich bewiesen, dass er nicht in die Ecke realitätsfremder Weltverbesserer gehört. Er würde akzeptiert werden. Dass er eine Kandidatur derzeit ablehnt, ist unwichtig. Das gehört im Zweifelsfall zum ihm wohlbekannten politischen Spiel.

Ohne eine Lichtgestalt und Integrationsfigur wie Fischer hätten die Grünen, bei denen sich gerne Realos und die Fundis in die Haare bekommen, allerdings ein Problem. Weder die Herren Trittin und Özdemir, noch die Damen Künast und Roth könnten alle Flügel der Öko-Partei hinter sich scharen. Mit ihnen wäre die K-Frage eine Belastungsprobe für die Grünen.

Doch womöglich können sie die Kandidaten-Suche bald wieder einstellen. Nach vorgezogenen Neuwahlen sieht es nicht aus. Und bis 2013 dürfte sich der durch die Atom-Diskussion ausgelöste Höhenflug der Partei abgeschwächt haben. Wähler pflegen nämlich rasch zu vergessen und lassen sich in zwei Jahren von völlig neue Ereignissen leiten. Vor allem, wenn sie merken, dass ökologisch geprägte Politik dem eigenen Geldbeutel schadet, ebbt die Begeisterung für grüne Themen rasch ab. Ein Blick auf unsere Online-Umfrage zum Öko-Strom (links auf dieser Seite) gibt einen Vorgeschmack

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