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Westdeutsche Zeitung: Die Trainerwechsel in der Bundesliga - Eine Klopp-Kopie bringt noch keinen Erfolg Ein Kommentar von Olaf Kupfer

Düsseldorf (ots) - Der Unterhaltungsbetrieb Bundesliga erlebt seine Hoch-Zeit. Wer auch immer von dieser Liga und seinen Geschichten lebt, darf sich in diesen Tagen nicht beklagen. Der FC Bayern? Kündigt den Vertrag mit van Gaal und holt wohl Heynckes. Schalke 04? Nimmt Rangnick und schickt Magath fort. Der HSV? Beobachtet nach der Kurz-Ära Veh, welcher Trainer künftig die größte Resistenz dem Chaos eines Großvereins gegenüber hat. Frankfurt? Gibt Skibbe eine letzte Chance. Dortmund? Hat in dieser Auflistung nichts zu suchen.

Ja, richtig. Borussia Dortmund hebt sich ab von der inflationären Agitation auf den Trainerstühlen des deutschen Fußballs, die Satiremagazine zur Frage drängt, welcher Trainer denn überhaupt noch im Amt ist. Weil der BVB ein Konzept hat. Und, noch wichtiger, sich selbst Zeit gegönnt hat, dieses Konzept aufgehen zu lassen. Mit einem Trainer, der in diesen hektischen Tagen zum einzig wahren Heilsbringer hochstilisiert wird. Nun sucht die von Moden und Launen geprägte Liga die Klopp-Kopie - und scheint sich dabei kein einziges Mal zu fragen, warum dieser Trainer, dieses BVB-Konstrukt wirklich funktioniert.

Van Gaal, Veh, Magath - sie alle haben nachgewiesen, glänzende Trainer zu sein. Ob ihre abgelegten Vereine aber ohne sie gesunden, ist ungewiss. Weil die inkompetente Riege der Offiziere bleibt. Die Führung eines Fußballvereins hat viel mit Eitelkeit zu tun, mit Geld und Macht, bisweilen nur mit Verstand, in Ausnahmen gar mit Fußball-Sachverstand. Erfolg braucht eine einheitliche Linie von Führung und sportlicher Leitung. Und einen realistischen Blick auf das Machbare. Letzterer fehlt weithin: Fußball ist Wettbewerb auf engstem Raum, dass er ein Milliardengeschäft geworden ist, erhöht die Neigung zur Unvernunft. Zwölf Teams wollen in die obere Tabellenhälfte, Platz ist aber nur für neun. Niemand will absteigen, und doch wird der DFB die Abstiegsregelung nicht ändern. Soll heißen: Wo immer Erwartungen geschürt werden, werden Enttäuschungen folgen. Und mithin Trainer-Entlassungen, die nur Fehlentscheidungen derer korrigieren, die bleiben dürfen. Und die - ganz sicher - ihr nächstes Unterhaltungsprogramm schon vorbereiten. Sie wissen es nur noch nicht.

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