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Westdeutsche Zeitung: Die Wirtschaft braucht starke Frauen = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Kurz:

Trotz des vorläufigen Endes der Quote kann sich die Gleichberechtigung weiter verbessern. Das Aus dient sogar einer größeren Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Denn es verhindert, dass schwache Kräfte nur wegen einer Quote aufsteigen, womit niemandem gedient ist. Außerdem führt jede Reglementierung dieser Art zu einer neuen Art von Diskriminierung: in diesem Fall der des Mannes. Der Riss geht quer durch die Koalition und sogar durch die CDU: Nach dem Machtwort der Kanzlerin trauert die Arbeitsministerin der Frauenquote nach, die Familienministerin hingegen sieht sich bestätigt. Der verwirrte Bürger, der nicht versteht, warum zwei CDU-Ministerinnen mit konträren Ansichten sich für das selbe Thema zuständig fühlen, sieht zumindest etwas klarer: Die Frauenquote wird nicht kommen. Vorerst - schiebt aus taktischen Gründen Angela Merkel nach. Klartext: Deutschlands Wirtschaft wird, da auch die FDP strikt dagegen ist, keine Quotenregelung erhalten, so lange Schwarz-Gelb regiert. Man kann das als Schlag gegen die Gleichberechtigung werten. Zumindest macht es nachdenklich, wenn das weibliche Geschlecht in Chefetagen fast nur als Sekretärin vorkommt. Die Wirtschaft verschwendet kreatives Potenzial, wenn sie fast die Hälfte der Bevölkerung von Entscheider-Funktionen fernhält. Zudem hat sie bereits seit zehn Jahren bewiesen, dass sie eine freiwillige Selbstverpflichtung nicht erfüllen will oder kann. Das Aus ist übrigens auch für Frauen ohne Wunsch nach Top-Karrieren eine schlechte Nachricht: Denn eine Quote hätte dazu führen können, dass Firmen auf breiter Front den weiblichen Nachwuchs gezielter als bisher fördern, um später für die Führungsjobs eine größere Auswahl zu haben. Die Fans der Quote sollten trotzdem nicht trauern. Denn sinnvoller als solche Reglementierungen sind etwa flexiblere Arbeitszeiten, genügend Kindergartenplätze und ein Partner, der sich ebenfalls um die Kinder kümmert. Stimmen diese Rahmenbedingungen, dann werden mehr Frauen in die vorderen Reihen drängen. Wobei die Frage erlaubt sein muss, wie viele von ihnen sich dem fast freizeitlosen Dauer-Stress einer Führungsposition aussetzen wollen. Auch viele Männer verneinen ja bewusst diese Frage für sich. Trotz des vorläufigen Endes der Quote kann sich die Gleichberechtigung weiter verbessern. Das Aus dient sogar einer größeren Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Denn es verhindert, dass schwache Kräfte nur wegen einer Quote aufsteigen, womit niemandem gedient ist. Außerdem führt jede Reglementierung dieser Art zu einer neuen Art von Diskriminierung: in diesem Fall der des Mannes.

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