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Westdeutsche Zeitung: Mubarak kann den Umsturz in Ägypten nicht mehr aufhalten = von Lothar Leuschen

Düsseldorf (ots) - Die Bilder von Polizisten, die auf Demonstranten losgehen, und von Demonstranten, die Polizisten angreifen, sowie von Panzern in Scharm el Scheich lassen darauf schließen, dass Ägypten den Weg gehen wird, den Tunesien bereits eingeschlagen hat. Die Vorgeschichte beider Umstürze ist ähnlich. Doch das nahende Ende der Herrschaft von Husni Mubarak könnte weitreichendere Folgen haben. Wenn der starke Mann Ägyptens fällt, dann ist die Nahost-Politik der Vereinigten Staaten und deren westlicher Verbündeter womöglich gescheitert. Und das zum Nachteil Israels. Seit dem vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter vermittelten Frieden von Camp David war Ägypten innerhalb der islamischen Welt das Bollwerk, an dem alle Pläne Syriens, des Libanons und des Irans scheiterten, Israel militärisch von der Landkarte zu streichen. Das mächtige Ägypten hat auch unter Mubarak die Aufgabe bestens erfüllt, die der Westen ihm gestellt hatte. Im Gegenzug schauten die USA großzügig darüber hinweg, dass die Regentschaft Mubaraks bei weitem nicht alle Anforderungen an demokratische Gepflogenheiten erfüllte. Die Sicherheitsgarantie für Israel war wichtiger. Daran hat sich nichts geändert. Israel braucht auch in Zukunft die Unterstützung des Westens, um seine Feinde in Schach zu halten. Und der Westen braucht einen starken Partner im Nahen Osten, der die Garantien für Israel rückversichert. Umso schwerer wiegt, was sich in diesen Tagen in Kairo, Suez und Scharm el Scheich abspielt. Die Lage ist unübersichtlich. Und sie wird noch unübersichtlicher, wenn Mubarak trotz Reformankündigungen den Aufruhr nicht stoppen kann. Denn im Protest ist die Opposition einig. Aber das wird anders sein, wenn die Demonstranten ihr Ziel erreicht haben. Dann werden Islamisten, Linke und Demokraten um Macht und Posten streiten. Und der Westen steht einem unberechenbaren Partner gegenüber. Das wird ihn zwingen, seine Politik im Nahen Osten neu zu ordnen. Und dabei wird er nicht umhin kommen, das Gespräch auch mit Islamisten zu suchen. Denn ohne Ägypten an seiner Seite dürfte es dem Westen nicht länger gelingen, die Balance zwischen Israel und dessen Feinden zu erhalten.

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