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Westdeutsche Zeitung: Organspende = von Wibke Busch

Düsseldorf (ots) - Über die Bedeutung der Organspende muss nicht diskutiert werden. Laut einer Umfrage steigt in Deutschland die Bereitschaft, nach dem Tod beispielsweise eine Niere zur Verfügung zu stellen - zumindest grundsätzlich. Ganz konkret allerdings ist die Kluft zwischen der Zahl der Menschen, die dringend ein neues Organ brauchen, und der der Spender weiter groß. Zu groß. Das hat auch damit zu tun, dass wir Menschen bei der Entscheidung über einen Spenderausweis wie auch über eine Patientenverfügung mit der Endlichkeit unseres Seins konfrontiert werden. Diesem existenziellen Thema so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen, ist menschlich, allzu menschlich. Allerdings geht es nicht nur um den Tod, sondern auch um das Leben. Bei der Patientenverfügung um ein würdevolles Sein in der letzten Phase des Lebens. Und bei der Organspende um das Leben eines anderen. Und es geht darum, Angehörigen in der für sie vielleicht schlimmsten Situation ihres Lebens eine schwere Entscheidung abzunehmen. Der Vorstoß zur Reform der Organspende ist daher richtig. Das Thema muss stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden - und zwar nachhaltig und nicht nur dann, wenn es einen aktuellen Anlass wie etwa die Nierenspende des SPD-Politikers Frank-Walter Steinmeier gibt. Die Idee der sogenannten Entscheidungslösung, wie sie von CDU-Politiker Volker Kauder in Absprache mit Steinmeier nun auf den Tisch gelegt wurde, hat dabei einiges für sich. Jeder Bürger wäre gezwungen, sich zumindest einmal im Leben mit dem Thema zu befassen und eine bewusste Entscheidung zu treffen - ohne vom Staat durch eine Widerspruchsregelung, wie es sie in anderen Ländern gibt, bevormundet zu werden. Der Vorstoß lässt zugleich Fragen offen. Wann ist ein Mensch reif für eine solche Entscheidung? Kann der Zeitpunkt allgemein gültig festgelegt werden? Wie kann sich der potenzielle Spender umfassend informieren? Umso wichtiger, dass dies nur ein Anstoß für eine breite Debatte des Bundestages ist - frei von parteipolitischen Zwängen und angereichert mit Alternativ-Vorschlägen. Am Ende handelt es sich um eine Gewissensentscheidung: jedes Abgeordneten und jedes Bürgers.

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