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Westdeutsche Zeitung: Der neue Biosprit ist teuer - und hilft der Umwelt nicht = Von Christoph Lumme

Düsseldorf (ots) - Wer sollte sich über den neuen Biosprit aufregen? Schließlich liegen die Fakten doch auf der Hand, wie das Bundesumweltministerium in seiner Broschüre über E10 erkärt. Ganz klar, bei der Verbrennung von Bioethanol wird nur so viel Kohlendioxid ausgestoßen, wie die Nutzpflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat. Doch jenseits dieser klimafreundlichen Hochglanz-Logik gibt es gewichtige Argumente gegen das neue Benzin. Tatsache ist: Um den wachsenden Energiebedarf des Autoverkehrs zu befriedigen, müssen in den nächsten Jahren riesige landwirtschaftliche Flächen mit Weizen, Zuckerrüben und Mais kultiviert werden. Allein das erzeugt mehr Kohlendioxid, als Autofahren mit Biosprit einspart. Zugleich drängt das Geschäft mit der Biomasse die Nahrungsmittel- und Futtermittelproduktion zurück, wodurch die Lebensmittelpreise weltweit drastisch steigen - mit verheerenden Folgen für die Menschen in Entwicklungsländern. Auch bleibt völlig unklar, wie sich das neue Mischungsverhältnis im Benzin auf die Zusammensetzung der Abgase auswirkt. So warnen Experten vor erhöhten Konzentrationen von Blausäure und Ozon. Zu diesen Einwänden schweigt die Politik. Überhaupt versäumten es Berlin und Brüssel in den vergangenen Monaten, die Autofahrer vor Einführung des neuen Benzins umfassend zu informieren. Offenbar war es die Absicht, so wenig Lärm wie möglich zu machen, um Debatten über Kosten und Nutzen von E10 gar nicht erst aufkommen zu lassen. Denn rückte das Thema ins öffentliche Interesse, wäre das grüne Deckmäntelchen wohl schnell gelüftet. Der Politik dürfte es nicht um Klimaschutz gehen, sondern darum, die Wirtschaft aus der Abhängigkeit fossiler Energien zu führen. Dabei beschreitet sie einen Irrweg. Zwar werden die Ölquellen bald versiegen, doch wer den globalen Straßenverkehr bis dahin auf Biomasse umstellen will, überfordert die Möglichkeiten unseres Planeten. Europas Regierungen sollten sich auf die Förderung der Elektromobilität und neuer Verkehrskonzepte konzentrieren, statt einen Treibstoff einzuführen, der der Umwelt nicht hilft - aber die Verbraucher am Ende teuer zu stehen kommt.

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