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Westdeutsche Zeitung: Der Beamtenbund droht mit Streiks beim Winterdienst - Ohne Gespür für die Sorgen der Menschen Ein Kommentar von Martin Vogler =

Düsseldorf (ots) - Wenn es der Wirtschaft wieder besser geht, möchten Arbeitnehmer davon profitieren. Vor allem in Deutschland. Denn die beispiellose Konjunkturerholung hängt auch mit Lohnzurückhaltung zusammen. Wenn die Gewerkschaften jetzt sagen: Der Zeitpunkt für Lohnsteigerungen ist da, ist das tatsächlich nur logisch. Und wird bei vielen Arbeitgebern durchaus auf Verständnis stoßen. Einige, vor allem große Konzerne, haben das sogar schon von sich aus gezeigt, indem sie vor Weihnachten ihre Mitarbeiter mit Sonderzahlungen überraschten.

Dennoch wird das übliche Tarifverhandlungs-Geschachere beginnen. Hohe Forderungen auf der einen Seite, wenige Zugeständnisse, beziehungsweise in Problembranchen die Frage nach Abstrichen, auf der anderen Seite. Am Ende wird, hoffentlich ohne Kampfmaßnahmen, ein Kompromiss stehen. Den man, wie immer, allerdings auch einfacher hätte erreichen können.

Vielleicht fällt das, was sich der Beamtenbund und dessen Vorsitzender Peter Heesen am Wochenende geleistet haben, nur unter dieses Schaulaufen. Doch selbst dann ist es instinktlos. In einer Zeit, in der sich wegen der extremen Schneelage viele ältere Menschen seit Wochen nicht mehr vor die Türe trauen, und Arbeitnehmer um ihren Job bangen, weil sie täglich Gefahr laufen, zu spät im Betrieb anzukommen, droht Heesen mit Streiks beim Winterdienst. Das zeigt, wie traurig weit sich der Beamtenbund-Funktionär von den Sorgen der Menschen entfernt hat.

Auch wenn Heesen als Vertreter der Beamten strenggenommen für Angestellte nicht zuständig ist, ist die Drohung ernst. Denn natürlich sitzt die Gewerkschaft Verdi mit im Boot.

Kopfschütteln hat sein Realitätsverlust bei zwei Ideen verdient, die er populistisch würzt:

1. Die angestellten Lehrer in Sachsen könnten ja auch mal in den Ausstand treten. Gerade wenn der Winterdienst ebenfalls streike, sei das doch eine schöne Entlastung für die Schüler.

2. Auch den EDV-Angestellten der Finanzbehörden rät er zum Streik. Das würde alle Bürger freuen, die dann keine Nachzahlungsbescheide bekämen.

Und was bitte, Herr Heesen, ist mit all jenen, die auf Erstattungen oder anderes Wichtige warten? Man sollte die Menschen nicht für dumm verkaufen.

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