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Westdeutsche Zeitung: Hohe Abzüge machen Teilzeitarbeit häufig unattraktiv Steuersenkung - warum eigentlich nicht? Ein Kommentar von Martin Vogler =

Düsseldorf (ots) - Häufig sind Gesetze gut gedacht, bergen aber im Alltag Tücken. Das scheint auch die Aussage der Bertelsmann-Stiftung zu sein. Laut deren Studie rechnet sich für Zweitverdiener und Alleinerziehende Teilzeit-Arbeit wegen unseres Steuerrechts kaum. Das ist persönlich bitter und klingt ungerecht.

Aber es lohnt, etwas genauer hinzuschauen. Denn zum Beispiel nach einer Elternpause ist eine Teilzeitarbeit häufig wegen der Kinder und des Arbeitsmarkts ein erster, notwendiger Schritt zurück zu einer vielleicht folgenden Karriere. Wer hingegen nur auf die aktuelle finanzielle Situation schielt und deshalb lieber zu Hause bleibt, verbaut sich Perspektiven und tut zu wenig für seine Rentenbiografie. Auch wenn angesichts der Zahlen auf dem Konto die Motivation schwer fällt, ist also eine Erwerbstätigkeit stets besser.

Einen Sonderfall stellt die Minijob-Regelung dar. Diese ist sicherlich vom Gesetzgeber auch gut gemeint, birgt jedoch bei Überschreiten der 400-Euro-Grenze tatsächlich die Falle, dass netto weniger übrig bleibt, als wenn man nicht so viel arbeitet. Da ist es verständlich, wenn spätestens ab 399 Euro Einnahmen der Fleiß erlahmt. Die Forderung: Die Schwächen des Minijob-Modells müssen per Gesetz geändert werden. Sogar dessen Abschaffung ist denkbar. Ein vernünftig gestalteter Freibetrag für geringfügig Beschäftigte hingegen könnte sinnvoll sein.

Beim Steuerrecht insgesamt sollte man hingegen mit radikalen Eingriffen zurückhaltend sein. Natürlich ist es demotivierend, wenn Zweitverdienern in Teilzeit relativ wenig übrig bleibt. Was vor allem so ist, wenn der Ehepartner ein sehr hohes Einkommen hat. Doch wer an dieser Stellschraube dreht, der stellt das Ehegattensplitting grundsätzlich in Frage. Er würde also einen von den meisten Bürgern nicht gewollten Paradigmenwechsel anstoßen, mit all seinen gesellschaftlichen Folgen.

Auch den Zweitverdienern würde übrigens eine Maßnahme helfen, die in der aktuellen politischen Diskussion leider stigmatisiert scheint: eine generelle Steuersenkung. Angesichts der erstarkenden Konjunktur wäre diese - verbunden mit einem sparsam mit unserem Geld umgehenden Staat - möglich und wirtschaftlich hilfreich. Man sollte das zumindest vorurteilsfrei prüfen.

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