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Westdeutsche Zeitung: Iren schlüpfen nach langem Zögern unter den Rettungsschirm = von Ingo Faust

Düsseldorf (ots) - Halb zog man ihn, halb sank er nieder - der keltische Tiger ist gezähmt. Er taugt gerade noch als Bettvorleger. Die Regierung der viereinhalb Millionen Iren, ein stolzes Volk mit keltischen Wurzeln, begibt sich unter den mit insgesamt 750 Milliarden Euro weit aufgespannten Finanzschirm der Euro-Staaten. Börsen und Anleihemärkte in Europa atmeten gestern auf, der Euro machte einen Sprung nach oben. Irland, einst das Armenhaus Europas, wurde bis vor wenigen Jahren wegen seines Wirtschaftswunders mit den asiatischen Tigerstaaten verglichen und galt noch vor vier Jahren vom Pro-Kopf-Vermögen her als das reichste Land Europas. Das ist Schnee von gestern, jetzt müssen die Euro-Länder für Irlands immense Schulden gerade stehen - und sie wollen das auch. Die Alternative wäre ein Auseinanderbrechen der Euro-Gruppe und eine schleichende Abschaffung der Gemeinschaftswährung. Unvorstellbar! In einem ersten Schritt werden die Iren bis zu 100 Milliarden Euro Nothilfe abrufen. Damit wollen sie ihre angeschlagenen Banken wieder flott machen. Weitere Schritte werden folgen. Die Gefahr, dass die Iren andere schwächelnde Länder wie Portugal anstecken könnten, ist längst nicht gebannt. Fällt Portugal, und muss das Land ebenfalls unter den Rettungsschirm, dauert es nicht mehr lange, bis auch Spanien gestützt werden müsste. Denn die Spanier finanzieren bisher die Portugiesen. Am Ende könnten sogar die Hilfs-Milliarden knapp werden, denn für alle drei Länder dürften sie kaum reichen. Wichtig ist zunächst, dass die Iren sich - wie zuvor die Griechen - einer Radikalkur unterziehen. Sie müssen von ihrem Rekorddefizit von 32 Prozent der Wirtschaftsleistung herunterkommen - erlaubt sind in Euro-Staaten drei Prozent. Das geht über Sparen oder über Mehreinnahmen. Hier liegt die Crux. Die Iren sollten schnellstens ihre Unternehmenssteuern von 12,5 Prozent auf das europäisches Maß von durchschnittlich mindestens 25 Prozent anheben. Auch Deutschland, künftiger Hauptgläubiger, ist daran interessiert, dass diese "Dumping"-Steuer zur Firmenansiedlung wegfällt. Im Ernstfall haften die deutschen Steuerzahler mit hunderten von Milliarden - dafür können sie auch etwas verlangen.

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