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Westdeutsche Zeitung: Öl-Katastrophe = von Lothar Leuschen

Düsseldorf (ots) - Je lauter die Regierung Obama den britischen Ölkonzern British Petrol beschimpft, desto klarer wird, wie hilflos die einen wie die anderen der Ölpest gegenüberstehen. BP rückt seit der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April immer nur mit dem Teil der Wahrheit heraus, den jeder schon kennt - im Wissen, dass jedes Zugeständnis, einen Fehler gemacht zu haben, den Regress in existenzgefährdende Höhen treiben könnte. Und die US-Regierung reagiert zunehmend wütend, weil nun jeder sieht, wie machtlos Präsident Barack Obama der Ölpest und dem Konzern ausgeliefert zu sein scheint. Bis heute wissen die USA noch nicht einmal genau, wieviel Öl denn wirklich jeden Tag ins Meer fließt. Obama hat die Geister selbst gerufen, derer er nun nicht mehr Herr wird. Noch Ende März hatte er angekündigt, Probebohrungen nach Öl und Gas vor den US-Küsten genehmigen zu wollen und war damit auf die Linie seines Vorgängers George W. Bush eingeschwenkt. Drei Wochen später bescherte eine Bohrinsel die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Und inzwischen spricht vieles dafür, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis so ein Unglück geschieht. Denn es musste erst zur Katastrophe kommen, bis die Behörde im US-Innenministerium zerschlagen wird, die bisher die Bohrgenehmigungen erteilte, die Abläufe kontrollierte und die fällige Fördergebühr kassierte. Vor zwei Jahren war aufgeflogen, dass mehr als ein Dutzend Mitarbeiter dieser Behörde intime Verhältnisse zu Angestellten der Ölindustrie unterhielt. All das klingt nach einem Paradebeispiel für Korruption. Mit jedem Liter Öl, der das riesige Loch im Meeresgrund des Golfes von Mexiko verlässt, bekommt die einst strahlend weiße Weste von Barack Obama mehr dunkle Flecken. Dabei hat er keine andere Wahl, als der Ölindustrie die Suche nach dem Schwarzen Gold in US-amerikanischem Boden zu gewähren, wenn er die Vereinigten Staaten vom Öl des Nahen Ostens so unabhängig wie möglich halten will. Aber das entschuldigt nicht ein Krisenmanagement, in dem die Regierung der Supermacht USA das Heft des Handelns nun schon seit mehr als einem Monat nicht in den Griff bekommt.

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