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Westdeutsche Zeitung: Freier Wettbewerb - Fehlanzeige Von Martin Vogler =

    Düsseldorf (ots) - Zugegeben, 25,7 Milliarden Euro sind extrem viel Geld. Doch beim geplatzten Deal um den Bau von Frachtflugzeugen geht es um mehr als um ein entgangenes Geschäft oder eine normale Handelsrivalität zwischen dem europäischen Airbus-Konzern EADS und dessen US-Rivalen Boeing. Es handelt sich mittlerweile um offene Spannungen zwischen den USA und Europa.

    Wenn nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch Politiker, etwa in Gestalt von Wirtschaftsminister Brüderle, den Amerikanern Protektionismus vorwerfen, ist das hart, aber leider berechtigt. Denn EADS hatte tatsächlich keine Chance, die für Boeing maßgeschneiderte Ausschreibung zu gewinnen. Der Rückzug war nur logisch. Die Folgen?

    Für EADS ist nicht nur ein Geschäft gescheitert, sondern der Einstieg in den amerikanischen Markt weit weg gerückt. Dieser wäre wichtig, weil die Staaten in Europa ihre Militärausgaben reduzieren, also braucht EADS neue Abnehmer. Wenn sie den Auftrag bekommen hätten, wäre sogar der Bau eines eigenen Werks in Amerika inklusive Fertigung von Passagiermaschinen denkbar gewesen. Doch nach dem Rückschlag muss das Motto lauten: Jetzt erst recht um den amerikanischen Markt kämpfen.

    Es hilft dabei niemandem weiter, über das unfaire Ausschreibungsverfahren zu klagen. Selbst falls der aus Chicago stammende Präsident Obama sich persönlich für das dortige Boeing-Unternehmen verwendet haben sollte, wie kolportiert wird, widerspräche das zwar drastisch den Regeln des fairen Welthandels, aber man muss ebenso sehen: Auch in Europa funktioniert die Vergabe von militärischen Aufträgen wegen ihres speziellen Charakters ähnlich. Alle Staaten versuchen, ihr Rüstungsmaterial wenn möglich im eigenen Land zu produzieren, um in diesem hochsensiblen Bereich kein Know-How herzugeben. Selbst unter Nato-Partnern gibt es da wenig freie Marktwirtschaft.

    Abgesehen von patriotischen Überlegungen könnte sogar die höhere Qualität, die EADS unbestritten liefert, dem europäischen Unternehmen zum Verhängnis geworden sein. Die Amerikaner suchten schlicht einen preiswerten Nachfolger für ihre alten Tankflugzeuge und kein hochentwickeltes Fluggerät auf Basis des Airbus A330.

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