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Westdeutsche Zeitung: Das Duell, das gar keines sein konnte Von Friedrich Roeingh =

    Düsseldorf (ots) - Wahlbetrug!, möchte man rufen. Und dieses Mal richtet sich der Schlachtruf der Enthüllung nicht nur an die Verschleierer der Politik, sondern auch an jene vier TV-Sender, die bei ihrer täglichen Jagd nach Zuschauer-Quoten noch mehr oder weniger ausgeprägt an ernsthafter politischer Willensbildung mitwirken wollen.

    Rund 20 Millionen TV-Zuschauer sind gestern abend Zeugen einer Art doppelten Wahlbetrugs geworden. An den ersten haben wir uns längst gewöhnt: Obwohl wir in Deutschland das Parlament und eben nicht den Kanzler wählen, sind uns die Duelle der Spitzenkandidaten von Union und SPD zu einem lieben Ritual auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs geworden. Allerdings hatten auch schon die vergangenen Begegnungen zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber und Gerhard Schröder und Angela Merkel größere Bedeutung für den medialen Deutungsstreit, wer sich denn nun besser geschlagen habe, als für den tatsächlichen Ausgang der Bundestagswahl.

    So langweilig wie diesmal war das Duell allerdings noch nie. Und das lag nicht nur an den hinlänglich bekannten Temperamenten von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Es lag am zweiten Wahlbetrug. Alle Welt weiß: Steinmeier tritt - den Unzulänglichkeiten der Demoskopie zum Trotz - längst nicht mehr als Kanzlerkandidat, sondern als Kandidat zur Fortsetzung seiner Vizekanzlerschaft an. Das haben gestern abend nicht nur er selbst, sondern auch die vier Moderatoren von ARD und ZDF und RTL und Sat 1 konsequent zu verschleiern versucht. Dass Steinmeier etwas lebhafter als die Kanzlerin agierte und bei den Streitthemen Atomkraft, Finanzmarktkontrolle und realistischer Steuerpolitik punktete, konnte daran nichts ändern.

    Die Wahlentscheidung 2009 lautet in Wahrheit nicht Merkel oder Steinmeier. Die Wahlentscheidung 2009 lautet Schwarz-Gelb oder Große Koalition II. Es hätte in dieser Runde schon einen Guido Westerwelle gebraucht, um offenzulegen, wie sozialdemokratisch die CDU inzwischen geworden ist. Und es hätte auch eines Oskar Lafontaine bedurft, um den Wählern mit linker Grundüberzeugung ein Gefühl dafür zu geben, ob jeder, der mehr Gerechtigkeit verspricht, auch vertrauenswürdig ist.

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