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19.05.2009 – 19:32

Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Ärztetag = von Miriam Drescher

Düsseldorf (ots)

Geht es nach Ärztechef Jörg-Dietrich Hoppe,
werden künftig weitaus weniger Leistungen von den Krankenkassen 
bezahlt. Mit der Einführung einer Rangliste medizinischer Leistungen 
würde das deutsche Gesundheitssystem weiter zu einem 
Zwei-Klassensystem umgebaut, ohne auch nur ein Problem zu lösen.
Hoppe stellt den Patienten an den Pranger. Wer seine Krankheit selbst
verschuldet, soll keine Behandlung bekommen. Wer zum Beispiel einen 
hohen Cholesterin-Spiegel hat, aber fett isst, sich wenig bewegt und 
auch noch Alkohol trinkt, der soll gesünder leben und keine 
Cholesterin-senkenden Medikamente verschrieben bekommen. Der 
Vorschlag ist nicht nur anmaßend, sondern auch nicht durchführbar. 
Wie soll überprüft werden, wie viel Sport man treibt? Wie viel 
Alkoholkonsum ist zu viel? Und gilt nicht eigentlich die Regel, ein 
Glas Rotwein am Tag sei gesund?
Hoppes Prioritätenkatalog für die Behandlung von Patienten ist 
indiskutabel. Andererseits hat er eine notwendige Debatte 
losgetreten. Denn es muss über das gesprochen werden, was die Ursache
für den Vorschlag ist. Hinter dem absurden Konzept stehen Ärzte, die 
nicht genug finanzielle Möglichkeiten haben, um ihre Patienten zu 
behandeln. Sie fragen nun die Politik, wie sie mit dem Mangel in den 
Praxen und Kliniken umgehen sollen. Eine Antwort darauf, wie das 
überforderte deutsche Gesundheitssystem weiter finanziert werden 
kann, ist längst überfällig.
Die Lösung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, noch mehr 
Steuerzuschüsse in den Gesundheitsfonds zu pumpen, kann nicht die 
Antwort sein. Denn Schmidts Allheilmittel sind alle Steuerzahler, vor
allem aber deren Portemonnees. Die Bürger werden nicht länger bereit 
sein, immer mehr zu zahlen und dafür immer weniger Leistungen zu 
erhalten.
Ärzte, Bundesgesundheitsministerin und Krankenkassen müssen die neue 
Diskussion als Chance nutzen. Sie müssen sich endlich zusammensetzen 
und eine Lösung finden, die Patienten hilft statt sie zu bestrafen. 
Benötigt wird ein Gesundheitssystem, das auf neue finanzielle Beine 
gestellt wird und in dem jeder die Behandlung erhält, die notwendig 
ist - ganz gleich, ob man eine Krankheit selbst verschuldet hat oder 
nicht.

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Telefon: 0211/ 8382-2358
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