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Westdeutsche Zeitung: WestLB = Von Frank Uferkamp

    Düsseldorf (ots) - Am Wochenende stand die WestLB ein kleines Stückchen vom Abgrund entfernt, seit gestern ist sie ihm noch näher gerückt: Der Rücktritt von Vorstandschef Hilgert ist verheerend für alle Sanierungspläne sowie ein Desaster für die Landespolitik und die Sparkassen gleichermaßen. Es scheint heute wahrscheinlicher denn je, dass am Ende die Steuerzahler die milliardenschwere Zeche zahlen müssen. Sind sie auch Sparkassenkunden, werden sie gleich doppelt zur Kasse gebeten. Die Krise der Bank dauert nun schon nahezu ein Jahrzehnt, die jüngste internationale Entwicklung wirkt da wie ein Brandbeschleuniger. Großmannssucht, mangelnde Kontrolle, Eitelkeiten auf dem Chefsessel wie auch in der Politik - dies alles hat verhindert, dass die Bank so etwas wie ein überzeugendes Geschäftsmodell entwickeln konnte. Das war unter der alten rot-grünen Landesregierung so, das hat sich unter Schwarz-Gelb nicht geändert. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte die WestLB einst zur Chefsache erklärt, dann aber schnell lernen müssen, dass seine Pläne von einer Landesbankenfusion auf Augenhöhe und sogar mit Gewinn für NRW nichts weiter als Blütenträume waren. Schnell hat er den Schwarzen Peter an die Sparkassen weitergereicht. Und die haben die Nase gehörig voll. Sie haben einige Milliarden Euro - übrigens selbst verdientes Geld - für die WestLB gegeben. Der Erfolg ist ausgeblieben. Der Druck vor allem in Westfalen, aber auch bei immer mehr rheinischen Instituten ist hoch, sie wollen und sie können nicht mehr für die WestLB zahlen. Diese Gefahr hat die Landespolitik unterschätzt. Rüttgers und Finanzminister Helmut Linssen ist es bisher nicht gelungen, einen Interessenausgleich herzustellen. Sie haben die Gefahr, die dort schlummert, schlicht unterschätzt. Die WestLB kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus und steht mal wieder vor einem Neuanfang. Es dürfte bei konservativer Zählung der zehnte seit 2001 sein. Leider spricht derzeit kaum etwas dafür, dass es dieses Mal klappen könnte: Die EU sitzt der Bank im Nacken, das Institut benötigt weitere fünf Milliarden Euro, die Eigentümer sind sich nicht grün. Hilgerts Rücktritt ist ein Fanal. Es gilt ab sofort Alarmstufe Rot.

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