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Westdeutsche Zeitung: Der VRR braucht einen Neuananfang = Von Christoph Lumme

    Düsseldorf (ots) - Der VRR ließ vor Bekanntgabe der Preiserhöhung via "Bild" warme Worte streuen: Die Steigerung der Ticket-Preise falle 2009 geringer aus als erwartet, weil der Energiepreisdruck nachgelassen habe. Dabei handelt es sich um den Versuch, eine skandalöse Entwicklung schönzureden. In diesem Jahr stiegen die Preise um 5,5 Prozent, im nächsten Jahr erneut um 3,4 Prozent. Damit wird nicht nur die Schmerzgrenze für die Menschen überschritten; die Kostenexplosion ist in Kombination mit einem unsinnigen Tarifsystem auch zu einer Standortschwäche der Region geworden. Denn der VRR ist nicht irgendein Verkehrsunternehmen. Er ist der Verbund, der die Aufgabe hat, die größte Metropolregion Deutschlands effektiv zu vernetzen. Rhein-Ruhr ist eine multipolare Mega-Stadt, die im Wettbewerb mit anderen Ballungsräumen eine gravierende Schwäche hat: das tief verankerte Kirchturmdenken in den Kommunen. Statt jedoch diesen Flickenteppich mit einem effektiven Verkehrsnetz zusammenzunähen, sorgt das teure und ungerechte Tarifsystem des VRR für zusätzliche Spaltungen. Beispiel: Wer mit der S-Bahn vom Neusser Hauptbahnhof zum boomenden Düsseldorfer Medienhafen pendelt, überwindet fünf Kilometer Luftlinie. Für die kurze Fahrt jedoch muss er ein Ticket der Preisstufe B kaufen - macht nach der Preiserhöhung für die Hin- und Rückfahrt absurde neun Euro. Das schreckt ab und und führt dazu, dass das Chaos auf den Straßen noch größer wird. Zum Vergleich: Wer in Potsdam wohnt und von dort mit der S-Bahn zum 30 Kilometer entfernten Berliner Alex pendelt, zahlt für die Hin- und Rückfahrt 5,60 Euro. Nur 1,40 Euro mehr als derjenige, der lediglich eine Strecke innerhalb Berlins zurücklegt. Anders als das VRR-Systemfunktioniert das Berliner Verkehrsnetz, weil es auf drastische Preis-Stufen verzichtet und so die Kommunen im Speckgürtel der Stadt fest umklammert. Niemand möge das Mobilitätsdesaster des VRR mit Verweis auf klamme Kassen rechtfertigen. Unstrittig ist, dass die Politik den Nahverkehr der wichtigsten deutschen Metropolregion kaputtgespart hat und nun handeln muss. Aber unstrittig ist auch, dass das gesamte VRR-Tarifsystem einen Neuanfang braucht.

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