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Westdeutsche Zeitung: Formel 1 = von Christoph Fischer

    Düsseldorf (ots) - Bernie Ecclestone nennt es eine "Schande". Das muss der große Zampano der Formel 1 von Berufs wegen so sehen. Dabei ist es nicht mehr als eine nachvollziehbare Reaktion auf die weltweite Krise der Automobilindustrie: Honda zieht sich mit sofortiger Wirkung aus der Formel 1 zurück und könnte damit zu einem Vorreiter werden. Die Japaner prognostizieren bis zum 31. März 2009 einen drastischen Rückgang des Geschäftsergebnisses um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und wenn man weiß, dass in den vier japanischen Werken die Anzahl der Zeitarbeiter drastisch reduziert und in den britischen Niederlassungen 4800 Arbeitern Vorruhestandregelungen angeboten werden, kann man nur Verständnis für Honda-Präsident Takeo Fukui aufbringen. Auch wenn es in Tokio Tränen gegeben haben soll. Max Mosley diagnostiziert, dass die weltweite wirtschaftliche Talfahrt die "ohnehin kritische Situation" verschärft habe. Der umstrittene FIA-Präsident glaubt trotz aller Krisenentwicklungen aber unbeirrt an die Zukunft der Formel 1. Auch wenn er fürchten muss, dass sich weitere Hersteller abwenden. Wie soll man der Öffentlichkeit schließlich erklären, einerseits Steuergelder in Milliardenhöhe für die Rettung der Automobilindustrie zu benötigen und andererseits Millionen in der Formel 1 zu verpulvern. Mosley verhandelt jetzt mit Motorenbauer Cosworth über ein Einheitsaggregat für 6,42 Millionen Euro pro Jahr. Der Durchschnittspreis für einen Motor liegt momentan bei zehn Millionen, die Entwicklungskosten bei 20 Millionen. Ferrari, Mercedes und BMW lehnen den Einheitsmotor ab. Was man nachvollziehen kann. Welchen Wert soll der ganze Zirkus denn überhaupt noch haben, wenn man nicht mehr die Überlegenheit der eigenen Technik demonstrieren kann? Sicher ist, dass die Wirtschaftskrise die Formel weit dramatischer verändern wird als bisher angenommen. Ob sie überhaupt noch eine Perspektive hat, wird nicht sportlich entschieden. Wenn die Absatzkrise anhält, und davon ist nach den Prognosen führender Wirtschaftswissenschaftler auszugehen, wird sich kein Automobilbauer das Spektakel weiter leisten können, sei die Werbewirkung auch noch so groß. Aber selbst das ist inzwischen umstritten.

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