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Westdeutsche Zeitung: Evonik-Chef Müller geht = Von Ingo Faust

Düsseldorf (ots)

Bei Werner Müller, wegen seiner Verdienste im
Revier liebevoll auch Mr. Ruhrgebiet genannt, kann man nur rätseln. 
Er beherzige die Weisheit: "Gehe, wenn es am schönsten ist", erklärt 
er offiziell beim Abschied von Evonik. Wer Müller kennt, der weiß 
aber, dass dies höchstens die halbe Wahrheit sein kann. Erst im 
vergangenen Jahr war sein Vertrag bis Mitte 2011 verlängert worden. 
Das sollte ihm Zeit geben, sein Werk bei der früheren Ruhrkohle AG zu
vollenden. Jetzt schmeißt es die Brocken hin.
Vielleicht hat sich Müller auch brüskiert gefühlt als das Land unter 
seinem Widersacher NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), ihn 
nicht an die Spitze der von ihm ersonnenen Kohle-Stiftung setzte. 
Stattdessen fand der frühere BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking das 
Wohlwollen der Landesregierung. Ein Müller an der Spitze wäre ihnen 
über kurz oder lang zu mächtig geworden, hieß es damals hinter 
vorgehaltener Hand. Die späte Reaktion Müllers nach über einem Jahr 
spricht aber gegen diese Rücktrittsversion. Aber gewurmt hat es ihn, 
das gab er auch öffentlich zu.
Spekulieren kann man auch über persönliche Gründe, die zum Rücktritt 
geführt haben. Aber bis zuletzt zeigte sich Müller in alter Frische -
lässig und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Schuld am 
plötzlichen Ausscheiden auf eigenen Wunsch kann auch die bei Evonik 
vor kurzem aufgetauchte "Heuschrecke" sein - der Finanzinvestor CVC 
hatte im Juni eine Sperrminorität (25,01 Prozent) am 
Ruhrgebietskonzern mit Hauptbetätigungsfeld Chemie übernommen. Dem 
Verkauf muss das Kartellamt noch zustimmen, aber danach zieht CVC in 
die Kontrollgremien ein.
Zwar wurde CVC vom Konzern offiziell als "Freuschrecke" begrüßt. Aber
Müller schwant vielleicht neuer Ärger mit quengelnden Großaktionären.
Da überlässt er lieber seinem designierten Nachfolger, dem 
Chemie-Vorstand Klaus Engel, das Feld. Der bullige Chemiker kennt 
sich mit "Heuschrecken" aus. Die Brenntag, deren früherer Chef er 
war, fiel gleich zweimal in die Hände von Finanzinvestoren. Engel 
konnte es ihnen immer recht machen. Eventuell will sich Müller das am
Ende seiner Karriere nicht mehr antun. Vielleicht ist der Weggang 
jetzt wirklich noch am schönsten für ihn.

Pressekontakt:

Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de

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