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Westdeutsche Zeitung: Georgien = von Alexander Marinos

Düsseldorf (ots)

Was wären wir über Frankreichs Staatspräsident
Nicolas Sarkozy hergefallen, wenn er es gewagt hätte, der 
Bundeskanzlerin derart in die Parade zu fahren, wie sie es nun 
umgekehrt getan hat. Ihr Hinweis bei ihrem Georgien-Besuch, das Land 
könne, wenn es wolle, Nato-Mitglied werden, war ein Fehler. Während 
Sarkozy als EU-Ratspräsident bemüht ist, die Balance zwischen den 
Konfliktparteien im Kaukasus zu halten, hat Angela Merkel dem 
aggressiven georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili ein 
unverhofftes Geschenk gemacht. Er hat in einem Anflug umfassbarer 
Selbstüberschätzung offenbar auf zivile Ziele schießen lassen und 
sein Land in einen Krieg getrieben, den nur einer gewinnen konnte: 
Russland. Und dafür soll nun, quasi als Belohnung, die 
Nato-Mitgliedschaft winken?
Natürlich war es notwendig, Russland die rote Karte zu zeigen. Moskau
ging es bei seiner maßlosen militärischen Reaktion weniger um 
Humanität als darum, Einflussbereiche zu sichern und - wo möglich - 
zu erweitern. Unbotmäßige Nachbarstaaten sollten eingeschüchtert 
werden. Die USA sollten begreifen, dass sie auf der Welt nicht nach 
Belieben schalten und walten können. Dass russische Truppen tief in 
Georgien einmarschiert sind, um nun vielleicht, ganz langsam und nach
eigenem Ermessen, den Rückzug anzutreten, ist eine Demonstration 
imperialen Machtstrebens, das partnerschaftlichen Beziehungen zum 
Westen widerspricht.
Es besteht kein Zweifel: Russland hat sein Ansehen damit, wie es 
US-Außenministerin Condoleezza Rice formuliert hat, ruiniert. Aber 
das gilt doch auch für Saakaschwilis Georgien. Und es ist noch gar 
nicht so lange her, da haben auch die USA ihr Ansehen ruiniert, als 
sie nämlich völkerrechtswidrig und unter Vorspiegelung falscher 
Tatsachen den Irak angriffen. Das bleibt unvergessen.
Deutschland sollte Seit' an Seit' mit den Franzosen Druck auf die 
Konfliktparteien ausüben, ohne einer Partei zu drohen. Eine 
Nato-Beitrittsperspektive für Georgien ist eine massive Drohung gegen
Russland, die kein einziges Problem löst. Im Gegenteil: Künftige 
militärische Auseinandersetzungen wären geeignet, aus dem neuen 
Kalten Krieg zwischen der Nato und Russland einen heißen zu machen. 
Das ist Herr Saakaschwili nicht wert.

Pressekontakt:

Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de

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