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Westdeutsche Zeitung: Putins Ziehsohn Medwedew zieht in den Kreml ein = Von Wolfgang Radau

    Düsseldorf (ots) - Ob Dmitrij Medwedew am Ende über oder unter 70 Prozent Zustimmung als neuer russischer Präsident bekommen hat, ist eher marginal. Mit Demokratie nach westlichen Vorstellungen hat der von der russischen Verfassung erzwungene Wechsel vom starken Putin auf den farblosen Medwedew ohnehin wenig zu tun. Russlands Weg nach Westen ist noch weit. Wie der neue Zar seinen Weg gehen will, hat er unmissverständlich dargelegt: Er will Russland weiter modernisieren - seine Wirtschaft, aber auch seine Gesellschaft. Ausdrücklich hat der im Westen gern als Putin-Vasall heruntergespielte 42-Jährige Worte wie Freie Marktwirtschaft und Rechtstaatlichkeit in den Mund genommen. Er will gegen Korruption und ein katastrophales Gesundheitswesen vorgehen - und dem allen hat sein Ziehvater nicht widersprochen. Vielleicht liegt darin sogar Putins Kalkül: Vier Jahre Renovierung im Hause "Einiges Russland" - unter seiner Oberaufsicht. Danach umso stärkere inhaltliche Arbeit an einem Russland, das mit den Großmächten des Westens konkurrieren kann. Unter einem zurückgekehrten Präsidenten Putin, der dann noch keine 60 Jahre alt ist. Wenn die vorsichtige Einschätzung von Russland-Experten hierzulande stimmt, dann bemüht sich der erste einflussreiche Nach-Sowjet-Politiker Medwedew um Europa-Offenheit. Als Aufsichtsrat des Monopolisten Gazprom weiß er zum Beispiel um den Wert der Energie-Euros aus Deutschland. Nicht ohne Absicht ist Gazprom Hauptsponsor von Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga. Russland und Euro- pa brauchen sich gegenseitig - wenn diese Botschaft hüben wie drüben verstanden wird, dann ist ein großer Schritt zu guter Nachbarschaft getan. Gute Nachbarschaft bedeutet vor allem Sicherheit. Der neue Mann im Kreml wird der Herr über tausende Atomsprengköpfe sein - ebenso wie der neue Mann oder die neue Frau im Weißen Haus in Washington. Neue Besen kehren gut - vielleicht gelingt es unter neuen Vorzeichen, einen so brisanten Streit wie den um die amerikanische Raketenabwehr auf polnischem und tschechischem Boden zu entschärfen. Medwedews Über-Präsident wird schon dafür sorgen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen - aber ein bisschen hoffen darf man ja wohl . . .

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