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19.02.2008 – 19:17

Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Liechtenstein = von Eberhard Fehre

    Düsseldorf (ots)

Der Steuerskandal hat auch seine bizarren Seiten. Nach Tagen eher verschämten Schweigens meldet sich nun das Fürstenhaus zu Wort. Und wir erfahren Erstaunliches: Der Zwergstaat ist nicht nur ein Hort der Menschenrechte, sondern auch wehrloses Opfer ines "Großstaates". Wenn wir den Erbprinzen richtig verstanden haben, sieht er sich in der Rolle eines modernen Robin Hood, der die Ausgebeuteten der Industriegesellschaft vor den Bütteln einer raffgierigen Staatsbürokratie schützt. Denn es liege, so Liechtensteins Staatschef, doch wohl am komplizierten Steuersystem in Deutschland, dass so viele den Weg nach Vaduz nähmen, wo die Dinge so klar und übersichtlich sind. Als ob es die Intelligenz eines deutschen Postchefs über Gebühr beanspruche, wenn man von ihm erwartet, seine Steuern zu zahlen. Ernster ist da schon der Vorwurf, schließlich sei es ja wohl "die kriminelle Energie der Deutschen", die sein Fürstentum in Verruf bringe. Der Hinweis ist richtig. Ebenso richtig wie der Hinweis, dass der Erbprinz offenbar nicht schlecht lebt von den Früchten dieser "kriminellen Energie". Und mit großem Erfindungsreichtum jene Institutionen zur Verfügung stellt, in denen sich diese "Energie" gewinnbringend entladen kann. Die Empörung des Erbprinzen hat also etwas von der moralischen Qualität eines Hütchenspielers, der sich darüber beschwert, dass die von ihm Betrogenen sich nicht ganz sauberer Mittel bedienten, um die gezinkten Instrumente ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Doch diese Anmaßungen täuschen nicht darüber hinweg, dass auch wir - Bundesregierung wie EU - solche Steueroasen über Jahre geduldet haben. In Liechtenstein durfte man also schon fast auf eine geheime Komplizenschaft vertrauen - in Brüssel wie Berlin waren ja weder die hohe Zahl noch der Zweck der Geldinstitute in Vaduz ein Geheimnis. Wer wie das Fürstentum von den Regeln des gemeinsamen Marktes profitiert, sollte sich dann auch an die in der Union geltenden Steuerrechte halten müssen. Darüber sollte die Bundeskanzlerin sehr ernsthaft heute mit ihrem Liechtensteiner Amtskollegen sprechen. Denn das würde - ganz nebenbei - auch der zur Schau gestellten Empörung unserer Politiker etwas mehr Glaubwürdigkeit verleihen.

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