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15.01.2008 – 18:54

Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Tiefe Kratzer am Image von Nokia = von Ingo Faust

    Düsseldorf (ots)

Das hätte den normalerweise netten und Deutschland freundlichen Finnen so niemand zugetraut. Über Nacht machen sie kurzfristig ein hochmodernes Handy-Werk in der strukturschwachen Ruhrgebietsstadt Bochum dicht. Nach ihrer Lesart ist das Werk ein Opfer der Globalisierung geworden. Und auf Diskussionen über die Schließung, wie sie jetzt das zu tiefst erschrockene Land NRW führen will, will sich die Nokia-Führung erst gar nicht einlassen. Selbst Sozialpläne sind noch fraglich. Um sein Image, das in Deutschland wegen Bochum tiefe Kratzer bekommt, macht sich der Konzern, der seine Erfolgsgeschichte von Gummistiefeln und Holz herleitet, offenbar nur geringe Sorgen. "Die Leute werden verstehen, dass wir langfristig unsere weltweite Wettbewerbsfähigkeit sichern müssen", glaubt Nokia-Vizepräsident Veli Sundbäck. Dass dafür in einem deutschen High-Tech-Werk die Lichter für immer ausgehen, verstehen sie aber sicherlich nicht. Die hohen deutschen Lohnkosten, die die Finnen anführen, sind eine Farce. In einem Handy stecken weniger als fünf Prozent Personalkosten. Auch das fehlende Umfeld an Lieferanten und die zu hohen allgemeinen Kosten in Deutschland, die angeblich ebenfalls schuld an der Schließung sein sollen, sind eine Mär. In Finnland, wohin große Teile der höherwertigen Fertigung aus Bochum verlagert werden sollen, geht das nicht billiger. Alle Argumente sind nur vorgeschoben. In Wirklichkeit hat Nokia im beinharten Wettbewerb unter den weltweiten Handy-Herstellern zu viele Fabriken. Und die kleinste davon, Bochum, muss jetzt als erste dran glauben. Weitere werden folgen. Wirkliche Überlebenschancen haben nur die vier Werke von Nokia in Asien. Für die Nokia-Beschäftigten in Bochum und das Land NRW ist es eine bittere Sache, dass jetzt in Deutschland selbst Hochtechnologie keine Chancen mehr hat. Geht der Trend weiter, wird sich NRW schwer tun, 2008 eine bessere Wachstumsentwicklung als der Bundesdurchschnitt zu erzielen. Das hatte die Landesregierung jüngst noch vollmundig verkündet. Auch als Retter für Nokia-Jobs sollte sie den Mund nicht zu voll nehmen. Die Sache ist für die Finnen abgehakt. Vielleicht rücken sie aber noch aus Schuldgefühl ein paar Euro raus.

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