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Westdeutsche Zeitung: Integrationsgipfel = von Anja Clemens

    Düsseldorf (ots) - Vor einem Jahr war die Euphorie fast grenzenlos. Kanzlerin Angela Merkel nannte den damaligen Integrationsgipfel gar ein "historisches Ereignis". Zwölf Monate später fällt die Bilanz düster aus: Mehrere türkische Verbände nehmen die jüngst verschärften Zuwanderungsregeln zum Anlass, die Stimmung vor der morgigen Nachfolge-Veranstaltung zu vergiften. Es wird gedroht, es wird gefeilscht, es werden Ultimaten gesetzt. Ganz so, als ginge es darum, auf einem Basar den besten Preis für eine Ware zu erzielen. Doch Integration gibt's nicht im Sonderangebot. Sie ist nicht einmal käuflich. Integration muss erarbeitet werden. Und sie kann nur gelingen, wenn sie von beiden Seiten gewollt ist. Deutschland muss zeigen, dass Migranten ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind. Und die Zuwanderer müssen beweisen, dass sie ihre Diaspora-Haltung ablegen wollen und bereit sind, sich auf Deutschland einzulassen  - auf unsere Kultur, unsere gesellschaftliche und staatliche Verfassung. Diese Bereitschaft lassen einige türkische Organisationen vermissen. Sie empören sich etwa über die verschärften Regeln für den Nachzug ausländischer Ehepartner, obwohl auch ihnen die Rechte junger Frauen am Herzen liegen sollten. Dass Deutschland vor der Heiratsmigration minderjähriger Türkinnen jahrzehntelang die Augen verschlossen hat, war der Bildungssituation von Zuwandererkindern nicht gerade zuträglich. Viele verfügen über miserable Deutsch-Kenntnissen, was dazu führt, dass fast 40 Prozent der Ausländer zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss haben. Daraus ergeben sich soziale Probleme, die die Integration erschweren, wenn nicht unmöglich machen. Auch um diese Parallelgesellschaften aufzubrechen, findet der Gipfel statt. Die Bundesregierung hat erkannt, dass eine gelungene Integration der Devise "fordern und fördern" folgen muss. Der Nationale Integrationsplan, der morgen vorgestellt werden soll, setzt genau das um. Das Spektrum reicht von verbesserten Integrationskursen über eine frühzeitige Sprachförderung, Integration durch Sport bis hin zu bürgerschaftlichem Engagement. Dieser Plan ist es wert, diskutiert zu werden. Schweigen und Sprachlosigkeit aber sind schon heute das Haupthindernis für Integration.

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