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DER STANDARD-Kommentar: "Eine Gasse für vier Millionen" von Michael Möseneder

(Ausgabe ET 5.2.2014)

Wien (ots) - Natürlich ist ein Menschenleben unbezahlbar. Und auch die Chance, eine Minute früher wiederbelebt zu werden und so keine bleibenden Hirnschäden zu erleiden, ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Das Problem ist nur: Wird das auf den Autobahnen durch die Rettungsgasse, für deren Bewerbung der Autobahnbetreiber Asfinag in den vergangenen beiden Jahren rund vier Millionen Euro investiert hat, tatsächlich erreicht? Nach der jüngsten Evaluierung darf man daran zweifeln.

Grundsätzlich ist das System ja nicht so kompliziert: Die Autofahrer auf der linksäußersten Spur fahren nach links, der Rest nach rechts, wodurch eine Durchfahrtsmöglichkeit für die Einsatzfahrzeuge entsteht. Liegt es also an der Dummheit der Autofahrer, wenn 50 Prozent der niederösterreichischen Feuerwehrleute der Meinung sind, die Rettungsgasse funktioniere nicht?

Zum Teil vielleicht. Aber andererseits ist im Alltag der Vorteil zum Pannenstreifen nicht so klar zu sehen. Wer am Montagmorgen an den Stadteinfahrten im Stau steht, müsste rechtlich gesehen an den Rand fahren. Nur: Der Stillstand wird für gewöhnlich durch die Überlastung hervorgerufen und nicht durch einen Unfall. Fröhliches Reversieren würde die Situation wohl eher verschärfen.

Ob die Retter im Vergleich zur Fahrt auf dem Pannenstreifen tatsächlich Zeit sparen, wissen sie selbst nicht. Ziemlich viele Unklarheiten für vier Millionen Euro.

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