Das könnte Sie auch interessieren:

kinokino Publikumspreis geht an "Another Reality" / Erstmals verleihen 3sat und Bayerischer Rundfunk den Preis des Filmmagazins gemeinsam

Mainz (ots) - Die Redaktion von "kinokino", dem Filmmagazin von 3sat und Bayerischem Rundfunk, lobte auf dem ...

Neue Folgen bei RTL II: "Voller Leben - Meine letzte Liste"

München (ots) - - Zweite Staffel der Dokumentationsreihe mit sechs neuen Folgen - Myriam von M. erfüllt ...

Erste Bilder des neuen Ford Focus ST Turnier

Köln (ots) - - Neues, bis zu 206 kW (280 PS) starkes Sportmodell der Ford Focus-Baureihe debütiert auch ...

Alle Meldungen
Abonnieren Sie alle Meldungen von Der Standard

24.09.2013 – 19:03

Der Standard

"DER STANDARD"-Kommentar: "Ein Abbild der Welt" von Gudrun Harrer

Wirklichkeit und Rezeption der Uno-Vollversammlung stimmen nicht überein - Ausgabe vom 25.9.2013

Wien (ots)

Die alljährliche Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York mag tatsächlich "die Welt" abbilden - wie das, was sich dort abspielt, öffentlich aufgenommen und reflektiert wird, ist jedoch ziemlich selektiv und ein Spiegel der globalen Machtverhältnisse. Die Uno selbst ist natürlich in diesen Rahmen gepresst, dessen Symbol der Sicherheitsrat mit den fünf Atommächten ist. Aber die Vollversammlung ist eine gute Gelegenheit, besonders im sogenannten Westen daran zu erinnern, dass die Erde nicht (mehr) flach ist. Die Rezeption der alljährlichen Rampenparade der Staats- und Regierungschefs fällt je nach geografischer Lage grundverschieden aus. Auch wenn die vielen interessanten Nebenschauplätze der Vollversammlung kaum wahrgenommen werden, ist das alles nicht einfach irrelevant. Wer das so sieht, wischt die multilaterale Diplomatie - den Versuch, alle möglichen Sachverhalte zwischen den Staaten der Welt auszuverhandeln, einmal mit mehr, einmal mit weniger Erfolg - vom Tisch, ohne zu bedenken, dass sie ein großer Fortschritt des 20. Jahrhunderts und ein Kind der politischen Moderne ist. Die Aufregung rund um den ersten Auftritt des neuen iranischen Präsidenten Hassan Rohani ist das beste Beispiel für die Rezeptionsunterschiede. Die USA und die EU wollen "das Richtige" hören, um danach zu sehen, ob denn nun auch die "Substanz" - ein signifikantes Einlenken Teherans im Atomstreit - folgen wird. Die Islamische Republik hat aber in der Uno immer schon auch das gehabt, was der österreichische Iranist Walter Posch die "Ersatzweltöffentlichkeit" nennt. Momentan steht der Iran an der Spitze der Blockfreienbewegung (NAM) - aber es wäre unrichtig zu behaupten, dass Teheran den NAM-Staaten zur Interpretation des Atomwaffensperrvertrags (NPT) einfach nur die eigene Position diktiert. Die Auseinandersetzung der "nuklearen Habenichtse" mit den offiziellen und inoffiziellen Atomwaffenstaaten ist nicht nur eine iranische Frage. Dass die Atomwaffenstaaten damit durchkommen, am NPT nur den Nichtverbreitungsaspekt interessant zu finden (dass kein Atomwaffenstaat dazukommt) und nicht den Abrüstungsaspekt (die Abrüstung ihrer eigenen Atomwaffen), fällt aus Sicht vieler Staaten unter "globale Ungerechtigkeit". Diese Rolle, die dem Iran zupasskommt, wenn es zu beweisen gilt, dass seine internationale Isolierung relativ ist, macht allerdings ein iranisches strategisches Arrangement mit dem Westen nicht einfacher. Mit dem Amtsantritt Rohanis ist die Hoffnung verbunden, dass der Iran zu den pragmatischen Ansätzen einer Politik der eigenen Interessen zurückkehrt. Wenig Hoffnung gibt es auf einen Durchbruch, was eine internationale Position zu Syrien anbelangt. Mangels politischer Fortschritte hält man sich an der Neuigkeit fest, dass Syrien nun der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen (OPCW) beitritt. Weil der humanitäre Aspekt bei Syriens Aufgabe seiner Chemiewaffen eine so große Rolle spielt, erwarten sich Optimisten sogar mehr Gewicht für das Argument, dass auch Atomwaffen aus humanitären Gründen (nicht nur der internationalen Sicherheit) gebannt gehören. Diese Hoffnung könnte überzogen sein, aber in Zeiten der Krise des Atomwaffensperrvertrags ist es immerhin wohltuend, wenn ein Instrument zur Kontrolle von Massenvernichtungswaffen gestärkt wird.

Rückfragehinweis:
   Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

Original-Content von: Der Standard, übermittelt durch news aktuell

Alle Meldungen
Abonnieren Sie alle Meldungen von Der Standard
  • Druckversion
  • PDF-Version

Orte in dieser Meldung

Themen in dieser Meldung