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Badische Zeitung: Historisch? Erst mal nicht
Obama gibt Castro die Hand - zu einem Neubeginn zwischen den USA und Kuba bräuchte es mehr

Freiburg (ots) - War das nun ein historischer Akt oder bloß eine höfliche Geste? Der Händedruck zwischen Barack Obama und Raúl Castro auf der Trauerfeier für Nelson Mandela hat Politiker und Medienschaffende elektrisiert. Doch wie sehr man sich auch bemüht: Beantworten lassen wird sich die Frage wohl erst irgendwann in der Zukunft - wenn man die Entwicklung des Verhältnisses zwischen den USA und Kuba im Rückblick zu bewerten vermag. Immerhin scheint klar, dass der amerikanische Präsident den kubanischen Staatschef nicht aus der Not heraus zufällig grüßte. Dem US-Protokoll waren Gästeliste und Sitzordnung bekannt. Wäre es darum gegangen, die direkte Begegnung unter allen Umständen zu verhindern, hätten sich Mittel und Wege gefunden. Allerdings hätte ein solches Ausweichmanöver kaum zum Gedenken an Mandela gepasst. Der Freiheitsheld saß 27 Jahre lang im Gefängnis. Trotzdem gelang es ihm, seinen Kerkermeistern zu verzeihen, um der Menschlichkeit in Südafrika eine Chance zu geben. Und da sollte der Friedensnobelpreisträger Obama nicht in der Lage sein, dem Repräsentanten einer vergleichsweise unbedeutenden Insel im karibischen Hinterhof der USA ein Minimum an Respekt zu erweisen? Richtig ist, dass die USA und Kuba in der Vergangenheit einander in durchaus neurotischer Feindschaft verbunden waren. Richtig ist aber auch, dass die Zeiten, als US-Geheimdienste Mordanschläge gegen den kubanischen Máximo Líder (seinerzeit noch Raúls Bruder Fidel) ausheckten und hirnrissige Invasionspläne verblendeter Exilkubaner unterstützten, lange vorbei sind. Geblieben ist ein Sanktionsregime, das Kuba seit Jahrzehnten belastet. Es wurde in den vergangenen Jahren zwar gelockert, das dazugehörige Handelsembargo ist bisher aber im Grundsatz stets verlängert worden. Wollten die USA ihre Beziehungen zu Kuba wirklich qualitativ verbessern, hier wäre der Hebel dafür zu finden. Allerdings müsste Kuba umgekehrt bereit sein, Platz für den Hebel zu schaffen. Auch wenn hierzulande einige Revolutionsromantiker noch immer vom socialismo tropical schwärmen - in Kuba werden Menschen auf Linie getrimmt, wird Kritik unterdrückt. Das System ist unfrei, Tausende kehren ihm jährlich den Rücken - eine Annäherung als Selbstzweck, ohne Gegenleistung, käme deshalb wohl keiner US-Regierung in den Sinn. Zwei bemerkenswerte Dinge hat Obama in Soweto gesagt. Die Menschheit könne sehr wohl eine Welt anstreben, die nicht auf Konflikt beruht, sondern auf Frieden und Gerechtigkeit. Dafür lohne es sich, neue Wege zu wagen. Obama sagte allerdings auch, dass viele Staatschefs Mandelas Kampf für die Freiheit rühmten, aber den gleichen Kampf im eigenen Land nicht tolerierten. Man darf darüber rätseln, welcher Satz auf Raúl Castro gemünzt war. Womöglich waren es alle beide.

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