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Südwest Presse: Kommentar zu Konjunktur-Report

    Ulm (ots) - Die Stimmung in der Wirtschaft ist prächtig. Das Krisengerede hat sich in Luft aufgelöst, das über Jahre hinweg wie ein Bleigewicht die wirtschaftlichen Aktivitäten in Deutschland lähmte. Seit Monaten bereits turnt das Ifo-Konjunkturbarometer in den luftigen Höhen herum, die die Republik zuletzt auf dem Höhepunkt des Vereinigungsbooms in den frühen 90er Jahren erlebt hatte. Wer den Grund für diesen Umschwung sucht, muss sich nicht lange mühen. Er liegt auf der Hand: der Merkel-Effekt. Bei den strukturellen Rahmenbedingungen hat sich für die Unternehmen in Deutschland rein gar nichts geändert und auch realwirtschaftlich unterscheidet sich die Lage heute nicht grundlegend von derjenigen in den letzten Monaten des Jahres 2005. Einzig die politische Bühne ist anders besetzt. Weil die Stimmung für die Entwicklung der Konjunktur die halbe Miete ist, hat sich die Große Koalition rein wirtschaftlich betrachtet bereits jetzt gerechnet. Ob Schwarz-Rot aber auch tatsächlich die deutlich überdurchschnittliche ökonomische Dividende abwirft, die das Duo Merkel/Müntefering derzeit annonciert, ist zumindest vorderhand noch keineswegs ausgemacht, obwohl die konjunkturellen Aussichten für die Bundesrepublik insgesamt gut und für den Südwesten sogar noch besser sind. So ermittelte das Statistische Landesamt für die baden-württembergische Industrie im Februar ein Bestellplus von 15 Prozent, im Januar waren es 14 Prozent. Die Firmen des Landes leben dabei weiter vornehmlich vom Auslandsgeschäft, das mit Raten von um die 20 Prozent zulegt. Die Binnenaufträge ziehen bei einem Plus von 9 Prozent zwar auch deutlich an, bleiben aber weiter klar im Schatten des Exportbooms. Dass sich die Binnenwirtschaft nach fünfjährigem Krebsgang endlich wieder besser entwickelt, signalisiert auch die Bilanz der Bauaufträge für 2005. Sie war im Land erstmals seit sechs Jahren mit einem Plus von 6 Prozent wieder positiv. Es ist weiter vor allem die Investitionsgüterindustrie, die für wirtschaftliche Dynamik sorgt. So starteten die Maschinenbauer geradezu mit einem Paukenschlag ins Jahr 2006. Im Ordersprung von 25 Prozent im Januar spiegelt sich nicht nur die gute Ertragslage der heimischen Firmen wieder, sondern auch die Abschreibungserleichterungen, mit denen Schwarz-Rot die Binnenkonjunktur in diesem Jahr anschieben will. Erstmals seit mehr als einem halben Jahrzehnt wird die Maschinenbaukonjunktur vom Inlandsgeschäft getragen, das im Januar um 25 Prozent nach oben schoss und auch im Februar bei einem Zuwachs von 22 Prozent unverändert boomte. Der zündende Funke ist damit endlich vom Export auf die Inlandskonjunktur übergesprungen. Er verbreitert die Wachstumsbasis deutlich und beschleunigt das Wachstumstempo klar. Zu einem sich selbst tragenden Aufschwung reicht es indes auch weiter nicht. Denn den Konsumgüterbereich hat er noch immer nicht wirklich erreicht, auch wenn der Einzelhandel im Januar preisbereinigt 1,7 und im Februar 1,1 Prozent mehr umsetzte als vor Jahresfrist. So positiv lief es zwar seit der Einführung des Euro als Bargeld Anfang 2002 nicht mehr. Doch deutlich größere Sprünge sind nicht drin. Dafür sorgt die weiterhin bescheidene Reallohnentwicklung, die den Arbeitnehmern in diesem Jahr - wenn überhaupt - allenfalls ein Mini-Plus bescheren dürfte.

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