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Südwest Presse: Kommentar zum Tarifstreit

    Ulm (ots) - Die Kuh muss vom Eis, ehe es schmilzt, der Müll muss von der Straße, wenn er stinkt. Angesichts solcher Sachzwänge tut die täglich wärmere Sonne das ihre, die Verhandlungspartner zu weiteren Einigungsversuchen zu treiben. Gewinner wird es dabei nicht geben. Beide Seiten haben sich unerreichbar hohe Ziele gesteckt und müssen jetzt mühsam ihre Gefolgsleute von den Bäumen holen, auf die sie getrieben wurden. Verdi muss erkennen, dass der Streik sich keineswegs zur Lawine auswächst, die das ganze Gemeinwesen erschüttert. Die Begeisterung in den eigenen Reihen hält sich in Grenzen, breite Akzeptanz in der Bevölkerung lässt sich auch mit dem wohlfeilen Arbeitsplatzargument nicht erreichen. Letztlich geht es eben doch um das eigene Hemd, das verteidigt wird. Auf der anderen Seite überspannt besonders der Verhandlungsführer der Länder, der niedersächsische Innenminister Möllring, den Bogen. Sein offenkundiges Ziel, den Tarifkonflikt des Jahres 2006 zu nutzen, um die Gewerkschaften dauerhaft zu schwächen, hat den Streit erst auf die politische Ebene gehievt. Höchste Zeit, Vermittler mit Augenmaß zu Rate zu ziehen. Denn für Qualität und Bezahlbarkeit des öffentlichen Dienstes ist nicht entscheidend, ob die Beschäftigten 40 oder 38,5 Stunden arbeiten. Sondern ob sie sich identifizieren mit ihrer Arbeit und ob sie bereit sind, auch mal den Buckel hinzuhalten, wenn es nottut.

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