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Südwest Presse: KOMMENTAR: Tarifvertrag
Einzelhandel

    Ulm (ots) - Seit fast einem Jahr ist der deutsche Einzelhandel nun schon gewissermaßen eine tariflose Zone. So lange stecken die Verhandlungen fest, die Gewerkschaft Verdi versuchte mit Warnstreiks Druck auszuüben, in Bayern waren die Gespräche gescheitert. Das zeigt schon, wie schwierig die Situation in der Branche ist. Noch deutlicher bringt dies jetzt der Berliner Abschluss zum Ausdruck: Die Beschäftigten bekommen gerade mal ein Prozent mehr Lohn in den nächsten zwei Jahren, und damit weniger, als ihnen die Inflation wieder wegnehmen wird. Mit anderen Worten: Unterm Strich bleibt ein Minus. Dass die kampfstarke Gewerkschaft Verdi dem Reallohnverlust zugestimmt hat, ist ebenso bemerkenswert - wie zwangsläufig. Wie die schlechtere Alternative zu diesem mageren Aufschlag aussehen würde, lässt sich seit Jahren beobachten: Abbau von Arbeitsplätzen bei gleichzeitigem Aufbau von Teilzeit- und Mini-Jobs und anderen Formen "prekärer Beschäftigungsverhältnisse", wie dies die Gewerkschaft nennt. Nirgendwo ist der Wettbewerb im Handel so hart wie in Deutschland, dem Land der Schnäppchen-Jäger und Geiz-Geilen. Seit Jahren stagniert der Konsum - sehr zum Leidwesen auch der Mitarbeiter in den Geschäften. Verdi hat sich in Berlin in das Nötige gefügt und gewerkschaftliche Solidarität praktiziert: Lohnverzicht für alle ist besser als Arbeitsplatzverlust für viele.

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