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Südwest Presse: Kommentar zur Gesundheitspolitik

    Ulm (ots) - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und die große Koalition treten bei den Ausgaben für Medikamente auf die Bremse, und sie tun gut daran. Das zeigen zwei Zahlen: In den ersten neun Monaten haben die Krankenkassen 18,6 Milliarden Euro für Medikamente ausgegeben, aber nur 16 Milliarden Euro für die ärztliche Behandlung in ambulanten Praxen. Wenn die Pillen mehr kosten als die Ärzte, die sie verschreiben, stimmt etwas am System nicht. Klar, sagen die Ärzte: Ihre Leistungen werden viel zu gering honoriert. Da ist etwas dran. Die Pharmaindustrie assistiert: Der größte Teil der Explosion der Ausgaben für Arzneimittel in diesem Jahr ist auf die letzte Gesundheitsreform zurückzuführen. 2004 waren sie ungewöhnlich niedrig, weil viele Rezepte wegen der drohenden höheren Zuzahlung und der Praxisgebühr auf Ende 2003 vorgezogen wurden. Dazu kommt der medizinische Fortschritt. Alles richtig. Aber als Erklärung reicht das allein nicht aus. Pharmafirmen verschenken Praxissoftware an Ärzte, die "zufällig" die eigenen Medikamente bevorzugt, und der Gesetzgeber muss den Beschenkten sagen, dass dies nicht korrekt ist. Vielsagend ist auch, wenn sich die Ärzteverbände bisher nur auf einen Bonus einlassen wollten, wenn die Mediziner besonders sparsam verordnen. Künftig sollen sie direkte Abzüge bekommen, wenn sie zu teuer verordnen. Das vergrößert sicher die Bürokratie in den Praxen. Aber über den Geldbeutel lässt sich offenbar am effektivsten sparen.

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