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Südwest Presse: Kommentar zu Ratiopharm

    Ulm (ots) - Nach handfestem Krach feuert Ratiopharm die zwei bisher wichtigsten Führungskräfte im operativen Geschäft: den Vorsitzenden der Geschäftsführung und den Finanzchef. Die "unterschiedlichen Auffassungen", mit denen das Unternehmen den Rauswurf begründet, kann es aber noch nicht lange geben. Ansonsten wäre der Fünfjahresvertrag von Firmenchef Claudio Albrecht, der das operative Geschäft professionell und profitabel führte, wohl kaum zu Jahresbeginn verlängert worden. Zwar vermuten viele, dass Albrechts Rauswurf mit aggressiven Verkaufspraktiken zusammenhängt, über die das Magazin "Stern" berichtete. Doch die gesamte Branche benutzt Musterpackungen für Ärzte und Naturalrabatte für Apotheker, um Marktanteile zu gewinnen. Ein moralisch anfechtbarer Vorgang - der aber wohl keinen Straftatbestand darstellen dürfte. Zu vermuten ist daher, dass Philipp Merckle, der sich zu christlichen Werten und hohen Moralansprüchen bekennt, in seiner neuen Rolle als Chef der Ratiopharm-Gruppe und seine angestellten Geschäftsführer einfach nicht miteinander konnten. Die Trennung kommt zu einer Zeit, in der sich die Branche neu ordnet: Der Konzentrationsprozess beschleunigt sich, der Markt für gentechnisch hergestellte Nachahmer-Präparate wird 2006 geöffnet und der Preisdruck verschärft sich. Daher bleibt Ratiopharm nicht viel Zeit, die Führungskrise zu meistern.

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