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Südwest Presse: KOMMENTAR · FLÜCHTLINGSPOLITIK

Ulm (ots) - Akzeptanz durch Annäherung

Nationale Kraftanstrengung, unbürokratisches Handeln, freihändige Lösungen - solche Floskeln beherrschen derzeit die politische Rhetorik zur Flüchtlingskrise. Und die Absender haben ja Recht: Natürlich sind Registrierung, Prüfung und Unterbringung von täglich rund tausend neuen Asylbewerbern nicht einfach im Normalbetrieb möglich - geschweige die Integration der Menschen, von denen viele lange bleiben werden. Keine Frage: In Zeiten extremer Belastung sind unkonventionelle Lösungsansätze gefragt. Trotzdem ist bei solchen Vorschlägen Vorsicht ratsam. Unbürokratisch darf nicht gesetzeswidrig heißen. Viele der komplizierten Regelungen, etwa im Bau- und Vergaberecht, haben ihren Sinn. Es wird wohl erst im Nachhinein sichtbar werden, ob das Abräumen bürokratischer Hürden geholfen hat, Not zu lindern, oder aber, ob es Mauscheleien und windigen Geschäftemachern Wege bereitet und sinnvolle Standards langfristig gesenkt hat. Eines ist aber sicher: Wenn mehr Flüchtlinge in reinen Wohngebieten untergebracht werden, stellt das die glücklicherweise vielerorts große Hilfsbereitschaft vor neue Herausforderungen. Es ist etwas ganz anderes, abgetragene Kleider in Unterkünfte zu tragen als neben einem Flüchtlingsheim - mit all seinen Begleiterscheinungen - zu wohnen. Zugleich ist diese Nähe eine Chance. Akzeptanz setzt Annäherung voraus. Danach kann man über Integration reden.

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