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Südwest Presse: KOMMENTAR · BND

Ulm (ots) - Spion und Spion

Es ist schon verrückt: Der US-Geheimdienst NSA benutzt den deutschen Partner BND, um diesen für sich selbst deutsche Ziele ausspähen zu lassen. Wäre die Sache nicht so ernst, müsste man lachen, frei nach dem bösen Comic-Strip "Spion und Spion" des US-Satiremagazins MAD - wobei die Namensgleichheit mit dem deutschen Militärischen Abschirmdienst hoffentlich Zufall sein dürfte. Spaß beiseite. Was da gestern ans Licht gekommen ist, ist ein handfester Skandal. Denn der BND, der für die Auslandsaufklärung zuständige deutsche Geheimdienst, untersteht direkt dem Bundeskanzleramt und damit Angela Merkel. Wenn es wahr sein sollte, dass BND-Mitarbeitern über Jahre hinweg seltsame Suchanfragen seitens der Amerikaner aufgefallen sind, dann ist es schwer zu glauben, die Kanzlerin sei ahnungslos gewesen. Erneut scheint sich zu bestätigen, dass die USA Deutschland nicht nur politisch, sondern auch im operativen Geschäft als Hinterhof betrachten. Dass die NSA seit Jahrzehnten in Deutschland schaltet und waltet, wie es ihr gefällt, wissen seit den Enthüllungen des früheren NSA-Mannes Edward Snowden alle. Doch dass die Schnüffler ihre BND-Kollegen so dreist missbrauchen, wie es der Fall zu sein scheint, ist blamabel und zeigt den minimalen Stellenwert, den US-Behörden Deutschland zumessen. So darf man rätseln: Deckte Merkel die Aktionen oder hat sie ihren Laden nicht im Griff? In "Spion und Spion" gab es ab und an die "Frau in Grau", die alle Agenten aufs Kreuz legte. So wünscht man sich zumindest einige Sätze der Erklärung. Doch erinnern wir uns: Der Comic kam ja auch ganz ohne Sprechblasen aus.

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