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Südwest Presse: KOMMENTAR · FLÜCHTLINGE Ignorante EU

Ulm (ots) - Allein die Zahl lässt erschaudern: 700 Menschen sollen in der Nacht zum Sonntag ertrunken sein. Es ist die zweite Horrormeldung binnen einer Woche. Dabei hat die Hauptsaison für die gefährlichen Überfahrten noch nicht begonnen. Das Mittelmeer wird zum Massengrab. Und Europa weiß nicht, was tun. Die Einstellung des Seenotprogramms "Mare Nostrum" wird mit Menschenleben bezahlt. Da mögen Deutschland und Frankreich noch so sehr auf Grenzsicherung und Abschreckung pochen. So lange für die Menschen aus Kriegs- und Krisenländer eine Chance besteht, mit einem Boot EU-Land zu erreichen, werden sie fliehen - und Schlepper an ihnen viel Geld verdienen. Mag sein, dass ein neues Seenotrettungsprogramm den Teufelskreislauf von Rettung, Abschiebung und erneutem Fluchtversuch noch beschleunigt. Eine humanitäre Alternative dazu gibt es jedoch nicht. Doch mit Rettungsbooten ist es nicht getan. Die EU muss sich zu einer fairen Lastenteilung durchringen. Derzeit schultern Italien, Griechenland, Malta und Deutschland viel. Andere EU-Staaten ducken sich weg, als lasteten die Leichen nicht auch auf ihrem Gewissen. Die Ignoranz der EU stoppt keine Flüchtlinge. Mehr schon hülfe Aufklärung darüber, wie trostlos das Leben von Flüchtlingen in den Traumländern oft ist. Doch taugt dieses Mittel in Kriegsländer nur beschränkt. Von der Notwendigkeit, solidarisch zu handeln, entbindet das die EU nicht.

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