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Südwest Presse: Goldene Mitte

Ulm (ots) - Goldene Mitte

Wenn ein Kompromiss von allen Seiten kritisiert wird, ist das gewöhnlich ein Zeichen für einen ausgewogenen Mittelweg. Das gilt auch für die Einigung der schwarz-roten Koalition beim Doppelpass. Der entscheidende Punkt, den die SPD zu Recht eingefordert hat, ist: Für mehr als 90 Prozent der Betroffenen entfällt künftig die Pflicht, sich mit 23 Jahren zwischen ihren beiden Staatsangehörigkeiten zu entscheiden, und zwar ohne viel Aufwand. Der Abgleich mit den Daten der Meldebehörden reicht für jene, die mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt haben, aus, um beide Pässe zu behalten. Und ein Großteil derer, die nicht auf acht Jahre kommen, kann Zeugnisse einreichen oder einen Schulabschluss vorlegen. Das ist weniger Aufwand als für eine x-beliebige Bewerbung und sicher nicht zu viel verlangt - schließlich geht es um die lebenslange Bindung an ein Land, mit allen Rechten und Pflichten. Damit sollte die jahrelange, oft genug mit abwertenden Vorbehalten geführte Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft endlich ein Ende finden. Die Loyalitätsprobleme, die Konservative in CDU und CSU immer wieder heraufbeschwören, sind ein Hirngespinst. Heute schon leben Hunderttausende Doppelstaatler in Deutschland - überwiegend geräusch- und problemlos. Die polemisch geführte Doppelpass-Debatte hat viel zu lange von drängenderen Problemen abgelenkt: von Abschottungstendenzen einer Minderheit der Migranten ebenso wie vom Alltagsrassismus in Deutschland. Darauf sollten die Kritiker des Kompromisses aus SPD und Union ihre Energie jetzt richten.

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