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Südwest Presse: KOMMENTAR · ÄRZTEHONORARE

Ulm (ots) - Eine Frage der Verteilung

Gerade noch rechtzeitig haben die niedergelassenen Ärzte die Kurve bekommen und sich mit den Krankenkassen auf eine Honorarerhöhung geeinigt. Nach einer großen Kraftmeierei in den letzten Wochen drohten sie sich nämlich zu blamieren. Bis zu 30 000 demonstrierende Ärzte und Mitarbeiter wollten sie gestern bundesweit auf die Straße bringen. Dass es viel weniger waren, dürfte nur zum Teil an der Einigung in der Nacht zuvor gelegen haben. Für eine machtvolle Demonstration sind sich die Mediziner untereinander viel zu uneinig. Die Gespräche erinnerten verdächtig an Tarifverhandlungen: Die Ärzte forderten 3,5 Milliarden Euro mehr Honorar, die Kassen wollten sie um 2,2 Milliarden Euro kürzen. Daran gemessen können die Mediziner mit bis zu 1,27 Milliarden Euro zusätzlich durchaus zufrieden sein. Dabei ist besonders wichtig, dass nicht einfach alle Honorare um vier Prozent angehoben werden. Vielmehr wird unter anderem die persönliche Betreuung etwa von Alten und Sterbenden besser honoriert. Das ist erfreulich. Denn es kommt insbesondere den Hausärzten zugute und nicht den Spezialisten, die dank des Einsatzes teurer Apparate heute schon sehr gut verdienen. Letztlich fällt das Urteil über den Kompromiss zwiespältig aus. Viele Praxisärzte bekommen bei weitem keinen Ausgleich für ihre steigenden Kosten. Das allerdings ist in anderen Berufen genauso wenig garantiert. Zweifellos muss der Arztberuf auch finanziell attraktiv sein, sonst fehlt schon bald der Nachwuchs. Genau so wichtig ist, wie das Honorar zwischen den Ärztegruppen verteilt wird. Die Allgemeinmediziner kommen derzeit noch zu schlecht weg.

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