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05.12.2011 – 19:42

Südwest Presse

Südwest Presse: KOMMENTAR · AFGHANISTAN

Ulm (ots)

Petersberger Bazar

Vermutlich gleicht die Politik auf dem Bonner Petersberg einem Bazar: Der Westen und die USA wollen so schnell wie möglich ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, während die Regierung in Kabul sich das so teuer wie möglich bezahlen lässt. Hilfe bis ins Jahr 2024 fordert Präsident Karsai. Und er hat gute Chancen, erhört zu werden. Denn kaum etwas ist gut in Afghanistan. Darüber kann auch die politisch-militärische Schönfärberei nicht trügen. Ziehen die internationalen Truppen 2014 ab, lassen sie ein instabiles, politisch fragiles Land zurück. Das Ziel, die radikalen Taliban niederzuschlagen, haben die USA, aber auch die deutschen Soldaten, mit einem hohen Preis bezahlt. 52 Bundeswehrsoldaten sind in Afghanistan gefallen. Viel, viel mehr sind nach ihrem Einsatz an Leib und Seele zu Schaden gekommen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Taliban wüten nach wie vor, manche Regionen kontrollieren sie ganz. Das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die Westmächte ist brüchig, als zu leer erwiesen sich die Versprechen, Rechtsstaatlichkeit und zivile Strukturen aufzubauen. Und die Regierung Karsai? Mit ihr verbindet sich all das, was die Westmächte aus der Welt schaffen wollten: Korruption, Drogenhandel, die fehlende Unterstützung für die Rechte von Frauen. Was also tun? Helfen, versichern die Teilnehmer der Konferenz. Sie haben keine Alternative. Ein Truppenabzug ohne Unterstützung ließe Menschen und Land im Stich. Doch es braucht mehr als Geld, um Afghanistan auf die Sprünge zu helfen. Nämlich Ernsthaftigkeit, Reformen einzufordern und endlich auch Konsequenzen, wenn sie nicht realisiert werden.

Pressekontakt:

Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218

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