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Südwest Presse: Kommentar zur "Gorch Fock"

Ulm (ots) - Die Meuterei auf der "Gorch Fock". Kein Stoff für einen Film, wohl aber für eine Eingabe an den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus. Besatzungsmitglieder der Marine begehren auf, weil sie sich von Vorgesetzten unter Druck gesetzt fühlen. Das hat etwas. Oder sollte alles ganz harmlos gewesen sein, wie Königshaus' moderate Aussagen gestern nahelegten? Die Vorgänge auf dem prestigeträchtigen Windjammer bedürfen rückhaltloser Aufklärung - alleine schon, um das Ansehen jener Soldaten zu wahren, die ihren Dienst korrekt versehen. Denn die Vorwürfe - übertriebener Druck, rüder Umgangston, sexuelle Belästigung - passen in das Bild der Anschuldigungen, die in steter Regelmäßigkeit Eingang in die Jahresberichte der Wehrbeauftragten des Bundestages finden - und in aller Regel als "Einzelfälle" individuellen Versagens, das nichts mit der Bundeswehr als solcher zu tun hat, abgehakt werden. Nun gibt es einen "Einzelfall" mehr. Einen besonders tragischen sogar, sollte sich am Ende bewahrheiten, dass die Auseinandersetzungen an Bord etwas mit dem unsensiblen Stil nach dem Tod einer Offiziersanwärterin zu tun haben. Königshaus macht es sich zu einfach, wenn er die Sache mit der Bemerkung abbügelt, angehende Offiziere müssten mit mangelndem Komfort umgehen können. Wer so redet, gefährdet seinen Ruf als Ansprechpartner für die Nöte der Soldaten - und er nährt den Verdacht der Vertuschung.

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