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Südwest Presse: Kommentar zur Koalition

Ulm (ots) - Angela Merkels neuerlicher Ruf zur Ordnung wirkt wie ein Versuch, verzweifelt das noch zusammen zu halten, was derzeit in ihrer Koalition immer schneller auseinanderdriftet. Die drei Regierungsparteien haben sich wie es scheint fast unrettbar entfremdet - die Union von der FDP sowie, und das wiegt wesentlich schwerer, die CDU von ihrer Schwesterpartei CSU. Das belegen die teils bestürzenden Episoden der vergangenen Woche. Zu denen gehört, dass Verteidigungsminister zu Guttenberg in Berlin streuen ließ, er halte es nicht mehr aus auf seinem Posten. Der beliebteste Minister im Kabinett fühlt sich hintergangen, weil das Kanzleramt ohne sein Wissen ein Gutachten zum Kundus-Untersuchungsausschuss anfertigen ließ. Auch dieses Detail verfestigt den Eindruck, dass in der bürgerlichen Koalition schon länger eine Lust am eigenen Untergang vorgelegen hat. Der Kanzlerin allein die Schuld dafür zuzuschreiben, wäre vermessen. Doch wiegt ihr Verschulden schwer. Merkels Verhalten bei der Kandidatensuche für das Amt des Bundespräsidenten ist ein Fehler mit vielleicht unabsehbaren Folgen. Sie ließ zu, dass die Opposition einen Kandidaten vorzuweisen hat, den das bürgerliche Lager eigentlich nicht ablehnen kann. Statt sich in Gaucks hohem Ansehen zu sonnen und zu nutzen, um sich aus ihrer Isolation zu befreien, bestimmte sie Christian Wulff. Nicht auszudenken, wenn am 30. Juni seine Kandidatur schief geht.

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