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Südwest Presse: Kommentar zu den Gaspreisen

    Ulm (ots) - Mit dem gestrigen Rundumschlag bei 35 Gasversorgern schafft das Bundeskartellamt einen Präzedenzfall: Die Energiewirtschaft darf sich darauf einstellen, dass mit den Wettbewerbshütern künftig noch weniger gut Kirschen essen sein wird als bislang schon. Die Bonner signalisieren mit der Einleitung von Missbrauchsverfahren in großem Stil, dass sie gewillt sind, die neue Rechtslage rigoros zu exekutieren, die die Gewichte zu ihren Gunsten verschoben hat. Denn inzwischen sitzen nicht mehr die Kartellwächter am kürzeren Hebel, sondern die Energieversorger. Sie müssen jetzt nachweisen, dass ihre Preise angemessen und nicht überhöht sind. Wer zwischen 25 und 45 Prozent mehr nimmt als die Konkurrenz, wird sich schwer tun mit Einlassungen der Art, dass sich diese Differenz etwa aus den örtlichen geologischen Gegebenheiten ergibt. Für die Verbraucher ist das eine gute Nachricht. Sie eröffnet ihnen die Aussicht auf günstigere Gaspreise. Doch Vorsicht: Großartig werden die Preissenkungen nicht ausfallen, sondern sich eher im Cent-Bereich bewegen. Das liegt zunächst daran, dass die vom Kartellamt untersuchten Preisbestandteile nur gut die Hälfte des Preises abdecken, den die Verbraucher zu bezahlen haben. Der Hauptgrund aber ist, dass in der deutschen Gaswirtschaft noch immer der unausgesprochene Grundsatz gilt: Es gibt zwar Wettbewerb, doch niemand kann uns zwingen, ihn auch offensiv umzusetzen.

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