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Südwest Presse: Kommentar zu Thierse

    Ulm (ots) - Entschuldigung akzeptiert, Schwamm drüber, zurück zur Tagesordnung? Im Falle Wolfgang Thierses fällt es schwer, so ohne weiteres zur Tagesordnung zurückzukehren. Denn der Herr, der seine Zunge nicht im Zaum zu halten vermochte, ist nicht irgendein SPD-Hinterbänkler, sondern stellvertretender Bundestagspräsident. Schon in seiner Zeit als Präsident des Parlaments (1998 bis 2005) wurde ihm aus dem Lager des politischen Gegners die dem Amt angemessene Unparteilichkeit abgesprochen. Jetzt dürfte es um den Rest seiner Autorität in diesem Amt geschehen sein. Einen Tag lang hat es gedauert, bis Thierse sich ohne Wenn und Aber für seinen Fehltritt entschuldigt hat. Vorher ließen seine gewundenen Erklärungsversuche eher fehlendes Unrechtsbewusstsein erkennen. Bei einem Literaturwissenschaftler, der bei feierlichen Anlässen ausgesprochen salbungsvolle Reden zu halten pflegt, fällt es schwer, das für Unsicherheit oder Ungeschick zu halten. Es bedurfte offenbar erst der empörten öffentlichen Reaktion und vermutlich eines Rüffels aus der eigenen Parteispitze, ehe er sich eines Besseren besann. Zwischen Thierse und Helmut Kohl, der ihn einst verglich mit Hermann Göring, Reichstagspräsident in der NS-Zeit, steht es jetzt 1:1 in Sachen Entgleisung. Im Hinblick auf die Vorbildfunktion des hohen Parlamentsamtes, im Hinblick auf das Ansehen der Politiker, um das es ohnehin nicht zum Besten steht, sitzt Thierse gleichwohl am falschen Platz.

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