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26.09.2020 – 12:36

IG BCE Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Mehr als 1500 Menschen protestieren in Aachen gegen Conti-Schließungspläne

"Conti: Jetzt gibt's Contra!"

Mehr als 1500 Menschen demonstrieren in Aachen

gegen geplante Schließung des Reifenwerks

Mehr als 1500 Menschen haben am Sonnabend in Aachen gegen die geplante Schließung des Continental-Reifenwerks demonstriert. Sie zogen am Vormittag vom Parkplatz vor dem Werk zum Kaiserplatz, wo die zentrale Kundgebung stattfand.

Die Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie "Oche ohne Conti ist wie Auto ohne Reifen", "Eure Habgier zerstört unsere Existenz" oder "Wir bluten für eure Rendite". Sie machten ihrem Unmut mit Trommeln und Sirenen Luft. Aufgrund der Corona-Hygieneregeln galten Masken- und Abstandsgebot.

Continental hatte in der vergangenen Woche völlig überraschend angekündigt, die Reifenproduktion in Aachen schließen zu wollen, wovon 1800 Menschen betroffen wären. Das Vorhaben ist Teil eines verschärften Sparprogramms, mit dem bundesweit 13.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

Die Rednerinnen und Redner auf dem Podium kritisierten die Abbaupläne des Automobilzulieferers scharf. "Aachen ist ein hochmodernes Werk, das schwarze Zahlen schreibt. Es in einer Hauruck-Aktion dicht machen zu wollen und ohne Dialog und Alternativsuche den Menschen ihre Zukunft zu nehmen, ist kühler Zynismus. Dahinter steht ein Managementverständnis, das wir ablehnen", sagte der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis. "Das ganze Vorhaben wirkt unüberlegt und überhastet. Die Eigentümer müssen hier dringend für Vernunft und Stil sorgen und mit uns alternative Wege ausloten."

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet kritisierte: "Was hier nun geschieht ist gegen jede Verabredung, gegen jede Regel, gegen alles, was auch zur Tradition des Miteinanders von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Politik in Nordrhein-Westfalen gehört. Das ist eine mit unserer sozialen Marktwirtschaft nicht vereinbare Form von kaltem Kapitalismus. Wenn wir als Land helfen können, dann wird jede Hilfe bereitstehen."

Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Continental, sagte: "Für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ist klar: Wir werden Standortschließungen weder in Aachen noch woanders akzeptieren. Wir fordern Konzepte und intelligente Strategien statt Kahlschlag und Profitmaximierung!"

Hasan Allak, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Continental, hob hervor: "Werke zu schließen nimmt den Menschen dauerhaft jede Perspektive am betroffenen Standort. Deshalb fordern wir den Vorstand auf: Überdenken Sie Ihre Pläne, nehmen Sie sich gemeinsam mit uns die Zeit um den Menschen Perspektiven zu sichern. Hierfür braucht es ein ausgewogenes Paket für Transformation und Krisenbewältigung!"

In der kommenden Woche werden die Beschäftigten den Protest nach Hannover tragen, dem Sitz von Continental. Für Dienstag ist eine zentrale Kundgebung auf der Expo-Plaza geplant. In direkter Nähe tagt der Continental-Aufsichtsrat und diskutiert die Abbaupläne. Erwartet werden Delegationen aus Standorten bundesweit. Gleichzeitig soll dem Vorstand eine Petition übergeben werden, die beim Conti-Management "Zeit für Perspektiven" einfordert.

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Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
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Über uns
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist mit mehr als 600.000 Mitgliedern die drittgrößte Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund. Zum Organisationsbereich gehören die Branchen Bergbau, Chemie/Pharma, Energie, Erdöl und Erdgas, Glas, Kautschuk, Keramik, Kunststoffe und nichtmetallische Werkstoffe, Leder, Papier, Umwelt, Wasser und Ver- und Entsorgungsbetriebe. Vorsitzender seit 2009 ist Michael Vassiliadis. Hervorgegangen ist die IG BCE 1997 aus einer Fusion der IG Chemie-Papier-Keramik, der IG Bergbau und Energie und der Gewerkschaft Leder.
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