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16.10.2018 – 10:00

ManpowerGroup Deutschland GmbH

Bilanz zum Ende der ersten AÜG-Höchstüberlassungsdauer: Viel Bürokratie für die Zeitarbeitsunternehmen, aber die Arbeitnehmer haben kaum Vorteile durch die neue Regelung

Eschborn (ots)

Seit April 2017 gilt das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) mit einer Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten. Nach Ende der Höchstüberlassungsdauer dürfen die entliehenen Mitarbeiter nicht mehr bei demselben Unternehmen arbeiten, ohne dort fest angestellt zu sein. Am 1. Oktober waren die ersten Zeitarbeiter nun von dieser Regelung betroffen. Alleine bei der ManpowerGroup waren das in Deutschland rund 1.800 Beschäftigte. Diese Zeitarbeiter mussten ihren Arbeitsplatz wechseln und zum Teil dadurch entstehende Nachteile verkraften. Einige wurden auch in den Betrieben übernommen, in der Regel allerdings nur mit befristeten Arbeitsverträgen.

Im vergangenen Jahr wurde das Gesetz zur Leiharbeit reformiert. Das neue AÜG beinhaltet vor allem Änderungen zur gleichen Bezahlung von Festangestellten und Leiharbeitern ("Equal Pay") sowie eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten beim selben Arbeitgeber. Nach Ablauf dieser Frist müssen sie bei einem anderen Entleiher eingesetzt werden. Für rund 1.800 von der ManpowerGroup entsandte Mitarbeiter endeten diese 18 Monate zum ersten Mal nach der Gesetzesreform am 1. Oktober. Zeit für eines der großen deutschen Zeitarbeitsunternehmen, die Frankfurter ManpowerGroup, Bilanz zu ziehen und die Neuregelung in der Praxis zu betrachten.

Die gute Nachricht: Alle von der Höchstüberlassungsdauer betroffenen Mitarbeiter der ManpowerGroup haben Jobangebote bei anderen Firmen erhalten. Es musste kein Mitarbeiter aufgrund der Neuregelung des AÜG entlassen werden. Trotzdem sieht die ManpowerGroup das Gesetz kritisch: "Dem Engagement unserer Mitarbeiter in unseren Niederlassungen in ganz Deutschland haben wir es zu verdanken, dass allen Mitarbeitern neue Angebote bei anderen Kunden von uns gemacht werden konnten", sagt Herwarth Brune, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der ManpowerGroup Deutschland. "Aber natürlich ist das mit einem unglaublichen bürokratischen Aufwand verbunden und hat auch Nachteile für Kunden und Mitarbeiter. Gewinner gibt es dabei wenige." Einige Zeitarbeitnehmer konnten auch von den Kundenunternehmen übernommen werden, in der Regel allerdings nur in unsichere, befristete Arbeitsverhältnisse.

Equal Pay nicht einfach festzulegen

Höchstüberlassungsdauer und Equal Pay sind nur die letzten in einer Kette von komplexen gesetzlichen Regelungen zur Zeitarbeit. Die nötigen Anpassungen der Systeme ist immer wieder mit hohen Investitionen beim Personaldienstleiter ManpowerGroup verbunden. So mussten die Entleiher für Equal Pay transparent offenlegen, wie viel ein vergleichbarer Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft verdient. Diese Vergleichsentgeltabfrage seitens der Zeitarbeitsfirmen ist jedoch gar nicht so einfach zu beantworten. Der "vergleichbare Mitarbeiter" muss zunächst definiert werden, auch hinsichtlich Qualifizierungsgrad, Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit. "Der Aufwand war enorm, davon hatten unsere Mitarbeiter erstmal nichts," sagt Herwarth Brune, "Im Gegenteil, wer nach 18 Monaten zu einem neuen Arbeitsplatz bei einem anderen Entleiher wechseln muss, fängt möglicherweise wieder bei null an." Denn Equal Pay muss gesetzlich meist erst ab 9 Monaten Beschäftigungsdauer gezahlt werden. Für den Zeitarbeiter lohnt es sich also, länger bei einem Entleiher beschäftigt zu sein.

Höchstüberlassungsdauer ohne positiven Nutzen für die Zeitarbeit

Durch die Höchstüberlassungsdauer muss die ManpowerGroup ihren Zeitarbeitern neue Arbeitsplätze bei anderen Arbeitgebern vermitteln. Neben dem bürokratischen Aufwand für den Personaldienstleister bedeutet das auch, dass das bisherige Unternehmen nach 18 Monaten zuverlässige, eingearbeitete Beschäftigte verlieren und neue Zeitarbeitnehmer erst wieder einarbeiten muss. "Selbstverständlich führt das auch dazu, dass einige Zeitarbeiter übernommen und fest angestellt werden. Aber viele Unternehmen können sich diese Festanstellungen nicht leisten, sei es wegen schwankender Auftragslage, Saisongeschäften oder ihrer internationalen Geschäftsstrategie", so Brune. Also werden bisherige durch neue Zeitarbeiter ausgetauscht.

Betrachtet man die Wirkung der Höchstüberlassungsdauer nach Qualifizierung der Arbeitnehmer, zeigt sich, dass niedriger qualifizierte Beschäftigte durchschnittlich weniger als 18 Monate bei einem Betrieb bleiben. Sie werden durch die Höchstüberlassungsdauer also meist weder betroffen noch besonders geschützt. Im Gegenteil: Manche Fortbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen lohnen sich durch die Höchstüberlassungsdauer nicht mehr, da die Mitarbeiter nicht lange genug im Unternehmen bleiben können.

Höher qualifizierte Arbeitnehmer werden zwar öfter von der Höchstüberlassungsdauer betroffen, brauchen diesen Schutz aber meist gar nicht. "Diese Fachkräfte können selbst entscheiden, ob sie in Zeitarbeit tätig sind oder nicht. Wenn sie ohnehin Equal Pay bekommen, gibt es häufig keinen Grund, sich fest anstellen zu lassen," so Brune. Im Bereich der Fachkräfte wird häufig bereits früher als gesetzlich vorgeschrieben Equal Pay bezahlt, um die gesuchten Mitarbeiter am Arbeitsmarkt überhaupt gewinnen zu können. Die Höchstüberlassungsdauer bedeutet für diese Fachkräfte im Grunde nur eine Beschränkung ihrer freien Berufsausübung.

Im Jahr 2020 sieht der neue Koalitionsvertrag eine Evaluierung des AÜG vor. Bis dahin müssen alle Beteiligten die aktuelle Fassung mit all ihren Konsequenzen umsetzen. Auch um dann eine sinnvolle Bewertung und Neuregelung im Sinne der Betroffenen anzustreben.

Über die ManpowerGroup

Die ManpowerGroup ist weltweit führend in der Bereitstellung innovativer Lösungen und Dienstleistungen, mit denen Unternehmen in der sich verändernden Welt der Arbeit erfolgreich sein können. Mit mehr als 24.000 Mitarbeitern zählt die ManpowerGroup zu den drei größten Personaldienstleistern in Deutschland. Unter dem Dach der Unternehmensgruppe agieren an bundesweit 300 Standorten die Gesellschaften Manpower, Stegmann, Experis, ManpowerGroup Solutions, Proservia, Right Management sowie spezialisierte Einzelmarken.

Mehr Informationen erhalten Sie unter http://www.manpowergroup.de.

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