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25.12.2004 – 11:00

EKD Evangelische Kirche in Deutschland

Weihnachtsbotschaften

    Hannover (ots)

Achtung: Pressemitteilung hat 8 Seiten

Sehr geehrte Damen und Herren,

    nachfolgend finden Sie nachrichtliche Zusammenfassungen der Weihnachtspredigten und Weihnachtsbotschaften des Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Wolfgang Huber, des stellvertretenden Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Christoph Kähler, einiger Ratsmitglieder und Leitender Geistlicher in der EKD, soweit sie bei der Pressestelle der EKD eingegangen sind.

    Wir bitten Sie, die unterschiedlichen Sperrfristen zu beachten. Außerdem ist, so weit es uns bekannt war, darauf hingewiesen, wann und wo die Texte im Internet nachzulesen sind. Soweit die Texte in der Langfassung uns vorliegen, sind sie nach Ablauf der jeweiligen Sperrfrist und in sinnvollen Rhythmen – vermutlich jeweils um die Mittagszeit – unter http://www.ekd.de/weihnachten/lukas2_weihnachtsbotschaften.html zu finden.

    Die Kolleginnen und Kollegen in der Pressestelle der EKD wünschen allen, die regelmäßig unsere Pressemitteilungen bekommen und über kirchliche Ereignisse berichten, ein gesegnetes Weihnachtsfest. Für alle, die über die Weihnachtsfeiertage arbeiten müssen, hoffen wir auf stressfreie Tage und genügend freie Zeit, Weihnachten zu erfahren. Allen die über die Feiertage frei machen können, wünschen wir eine besinnliche Zeit und viele gute Begegnungen.

    Die Pressestelle im Kirchenamt der EKD ist an Heilig Abend und über die Weihnachtsfeiertage unter der Nummer 0511/2796-109 zu erreichen. Ab 27. Dezember ist die Pressestelle zu den üblichen Bürozeiten wieder besetzt.

Mit freundlichen Grüßen aus Hannover Ihr gez. Christof Vetter

Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland: Gott zieht mit den Suchenden mit, geht den Fragenden nach und weist den Glaubenden den Weg

    Gottes Haus auf Erden sei nicht mit Menschenhänden zu bauen, sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seiner Predigt am Heiligen Abend, 24. Dezember, im Berliner Dom. Alle von Menschen gebaute Gotteshäuser seien „nur Abbilder des Zeltes, in dem Gott mit den Suchen mitzieht, den Fragenden nachgeht und den Glaubenden den Weg weist.“ Das Wunder der Heiligen Nacht, dass Gott „unter uns heimisch“ werde.

    Das Christuskind, so erinnert der Berliner Bischof, wurde „auf Reisen“ geboren. Ein Futtertrog habe dem neu geborenen Gotteskind eine Unterkunft geboten, „die man wirklich nur dürftig nennen kann“. Aber dieses armselige Obdach erweise sich als „Himmel auf Erden für Hirten und für Engel, für Kinder und für Könige, für Arme und für Reiche, für Menschen jeglicher Nationalität.“ Gott nehme in der Welt Wohnung, indem er Wohnung schaffe und Menschen neue Hoffnung schöpfen.

    Kirche und Wohnung seien an Weihnachten die beiden Orte, an denen die weihnachtliche Gewissheit neu wachse. Deswegen könne Weihnachten nicht gefeiert werden ohne an die zu denken, die „in der Kirche nicht mehr oder noch nicht heimisch“ seien, und den anderen, denen für das Dach über dem Kopf „die Kraft oder das Geld“ fehlen: „Einsame suchen Halt, Traurige Trost, Fragende Antwort“. In der Krippe, die an Weihnachten in keiner Wohnung fehlen sollte, sei die Wohnung zu erkennen, die kein Mensch einem anderen nehmen könne, weil Gott selbst sie schaffe. Gott gebe Menschen eine neue Bleibe gebe, indem er ihnen den Glauben zuspreche.

    Beim Jesuskind sei zu lernen: „Zur Heimat des Menschen gehört, dass er im Aufbruch lebt.“ Gott ziehe mit den Suchenden und ermutige die Fragenden. Der Härtefall, der in der Krippe liege, lade ein, auf die zu blicken, „die als Fremde kamen, aber nicht fremd bleiben wollen“. Vielen, die in Deutschland Zuflucht suchten, sollte zugestanden werden, „was für sie schon lange Wirklichkeit wurde: In dem Land wollen sie auf Dauer leben, in dem sie schon lange sind, ohne in die alte Heimat zurückkehren zu können.“ Eine Kette von Duldungen ermögliche nicht, sich dauerhaft zu verwurzeln: „Wer bleiben darf, gehört dazu. Eine Bleibe zu haben heißt, zur Integration bereit zu sein.“ Niemand könne unversehrt und anerkennenswert leben, ohne innerlich wie äußerlich eingebunden und getragen zu sein, so Wolfgang Huber.

Landesbischof Christoph Kähler Stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland „Jesus war nicht aus gutem Hause. – Die Hoffnung wurde in einem Stall geboren“

    Der thüringische Landesbischof Christoph Kähler sagt in seiner Weihnachtsbotschaft (im Wortlaut):

    „Jesus war nicht aus gutem Hause. Die Weihnachtsgeschichte erzählt von der Geburt in einem Stall. Dieser Stall von Bethlehem war für Menschen wenig komfortabel und es hat vermutlich nicht gut gerochen. In diesen einfachsten Verhältnissen geht es wirklich nur um das Kind in der Futterkrippe und die Menschen, die sich hier begegnen. Es kommt eben in unserem Leben nicht auf die vielen Dinge an, mit denen wir uns umgeben oder nach denen wir verlangen. Weihnachtsgeschenke können und sollen Freude bereiten. Sie können Ausdruck für Liebe sein, aber sie können sie nicht ersetzen. Entscheidend ist, was jeder Mensch unabhängig von seinen materiellen Verhältnissen und Möglichkeiten schenken kann: Zuneigung. Die erfahrene und selbst geschenkte Liebe macht unser Leben reich. Der Blick in den Stall von Bethlehem führt uns zu dem Wesentlichen, nämlich Menschen mit den Augen Gottes zu sehen - als Menschen, unabhängig von Stellung und Leistung. Gott macht alle Menschen zu Schwestern und Brüdern. Das ist die unendliche Hoffnung, die in einem Stall zur Welt kam.

    Auf dieser Botschaft basieren unsere Verfassungen und Rechtsordnungen, unsere Sozial- und Bildungssysteme. Oft erleben wir eine Realität, die diesen Anspruch vermissen lässt. Zu Weihnachten werfen wir einen Blick in den Bethlehems Stall. Es ist zugleich die Erinnerung daran, dass unsere Gesellschaft der Gerechtigkeit verpflichtet ist. Geben wir diese Erinnerung auf, verlieren wir die Orientierung und den Boden unter den Füßen. Das Kind in der Krippe in einem Stall schenkt uns Hoffnung auch unter ungünstigen Bedingungen. Daher dürfen wir den Stall nicht schöner malen als er ist. Wir dürfen aber unsere Erwartungen himmelhoch stecken.“

Präses Nikolaus Schneider, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland: Solidarität, Frieden und Gerechtigkeit statt Lügen, Geiz und Gier

    Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, hat dazu aufgerufen, in Ehrfurcht vor Gott und in tatkräftiger Solidarität mit anderen Menschen zu leben. In seiner Weihnachtspredigt (Heiligabend, 16 Uhr) in der Düsseldorfer Johanneskirche erklärt der oberste Repräsentant von rund drei Millionen Christinnen und Christen zwischen Emmerich und Saarbrücken, solidarische Gemeinschaft miteinander sei auch „der Einsatz der Fähigkeiten und des Vermögens der Eliten im Dienste aller; das ist eine Ökonomie, die für die Menschen da ist“.

    „Unsere Welt wird nicht genesen an maximalen Gewinnen und dem unbegrenzten Reichtum Einzelner oder wirtschaftlicher Interessengruppen. Unsere Welt wird nicht genesen an militärischen Bündnissen und der Anwendung militärischer Gewalt, um Frieden, Demokratie, Rohstoffe und die Lebensgrundlagen wie Wasser und Land sicherzustellen. Unsere Welt wird nicht genesen an unseren Interessen und Wünschen, unserer Propaganda und unseren Lügen, unserem Geiz und unserer Gier. Das zerstört, was es zu erhalten vorgibt“, so Präses Schneider wörtlich. Nur wenn menschliches Handeln dem Frieden und der Gerechtigkeit in unserem Land und weltweit diene, sei es im Glauben an Gott getan.

    Gott liebe diese Welt und sei deshalb in Jesus Christus selbst Mensch geworden, „damit wir Menschen Gott und einander lieben. Darin liegt die Rettung für uns und für unsere Welt“. Diesem liebenden Gott solle man sich „nicht nur einmal im Jahr, am Heiligabend, sondern alle Tage und Nächte unseres Lebens“ anvertrauen, sagt der Präses der zweitgrößten deutschen Landeskirche. Sich Gott anzuvertrauen und an ihn zu glauben bedeute, „nüchtern und selbstkritisch unsere Wünsche und Interessen zu betrachten und uns von dem Strom der Liebe Gottes zu liebenden und sozialen Menschen verändern zu lassen“.

Landesbischöfin Margot Käßmann, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Gott liebt dich, so wie du bist“

    Die Nacht des Heiligen Abend sei die „die Nacht der Stille, der Erwartung, der Träume, in der die Welt in Wehen liegt, in der Neues beginnen will,“ sagt die Landebischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann in ihrer Predigt am Heiligen Abend in der Marktkirche (Hannover). In dieser Nacht komme Gott in das Leben der Menschen. Diese Nacht werde zum Licht, das begeistern will: „So werden auch wir am Heiligen Abend neu geboren, zur Welt gebracht aus Liebe. Lassen Sie sich auf diese Liebesbeziehung ein – sie ist eine zuverlässige Affäre!“, fordert Margot Käßmann auf.

    Drei Aspekte werden am Weihnachtsfest deutlich, nimmt Margot Käßmann den Predigttext aus dem dritten Kapitel des Johannesevangeliums auf: „Die Liebe Gottes“ – „Der Sohn, an den wir glauben“ – „Wir Menschen, die nicht verloren sind“. Gott liebe diese Welt, betont die Bischöfin. Dies sei schwer zu verstehen, denn diese Welt sei wahrhaftig nicht immer liebenswert. Wo die Liebe hinfalle, entscheide nicht die Vernunft und manchmal sei die Liebe stärker als das, was Recht ist. Dass Gott die Menschen so leidenschaftlich liebt, „ist schon ein Plus auf unserem Konto“. So sei die Liebe Gottes größer als die Zurückweisung durch die Menschen.

    Mit seinem Sohn wolle Gott die ganze Welt retten. Deshalb sei Weihnachten nicht im Sinne von „ein bisschen Kitsch, ein bisschen Lichterglanz, schöner Harmonie“ billig zu haben. Die Geburt des Gottessohnes sei vom Ende betrachtet etwas Besonderes: „Erst von Kreuz und Auferstehung her sehen wir sie in einem anderen Licht.“

    Die Welt sei „wahrhaftig ein Ort der Verlorenen“, „wo jede Form des Mitleidens, des Engagements füreinander in Kälte und Raffgier erstarrt“. Die so beschriebene Welt sei aber genau die Welt, die meine, sie braucht Gott nicht. Gott suche dagegen die Verlorenen „wie ein Schaf, das abhanden gekommen ist.“ Das sei die Botschaft dieser Nacht: „Gott liebt dich, so wie du bist!“

    Landesbischof Johannes Friedrich, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland: Sich von der Verheißung der Friedensbotschaft anstecken lassen.

    In seiner Predigt zum 1. Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember in der Kirche St. Matthäus in München ermunterte der bayerische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich die Menschen, sich von der Verheißung der Friedensbotschaft, die von Weihnachten ausgehe, ergreifen zu lassen. Möglichkeiten, zum Frieden beizutragen, habe jeder, entscheidend sei, dass man Gott sein Ohr, seine Stimme und seine Tatkraft dazu leihe. Ein wichtiger Beitrag zum Frieden sei es beispielsweise, wenn wir die Menschenwürde achteten und aus unserer kinderfeindlichen Gesellschaft eine kinderfreundlichere machten. Wenn die Menschen sich über Gottes Liebe freuen, die an Weihnachten in dem kleinen Kind Jesus offenbar geworden ist, dann, so der Landesbischof, dürfen sie diese Freude auch an andere Menschen weitergeben - an Kinder ebenso wie an Erwachsene.

Bischof Martin Hein (Weihnachtsbotschaft): Weihnachten, das Fest gegen die aktuelle Gottvergessenheit

    Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, hat zum Weihnachtsfest gegen die verbreitete Gottvergessenheit und zum Eintreten für den Frieden aufgerufen. In seiner Weihnachtsbotschaft sowie in seiner Predigt am Heiligen Abend in der Kasseler Martinskirche erklärt der Bischof: „Gegenwärtig beobachte ich, dass bei uns die Bereitschaft wächst, Weihnachten noch festlicher, ja geradezu als Event zu begehen.“ Immer mehr Lichterketten würden angebracht, Engel hätten Hochkonjunktur und sollten schon vor Weihnachten für die entsprechende Stimmung sorgen. „Über all dem scheint Gott selbst in Vergessenheit zu geraten, der doch Anlass und Grund ist, warum wir überhaupt Weihnachten feiern.“

    Die Gottvergessenheit sei das eigentliche Problem unser friedlosen Zeit, Weihnachten darum eine gute Gelegenheit, dies zu ändern, erklärt der Bischof. Unfriede entstehe, wenn sich Menschen von Gott abwenden oder nichts von ihm wissen wollten. Dann gerate die Welt aus den Fugen. „Wer dagegen Gott die Ehre gibt, begreift, dass wir ihm gegenüber verantwortlich sind. Wir müssen uns nicht selbst zu Herren dieser Welt aufschwingen, sondern können seinen Weg – den Weg der Liebe, der Versöhnung und des friedlichen Ausgleichs gehen.“ Der Bischof warnt zugleich davor, sich angesichts der Krisenszenarien dieser Welt entmutigen zu lassen. „Gott hat in Jesus Christus auch ganz klein angefangen“. Doch sei von der Heiligen Nacht eine Begegnung ausgegangen, die viele Menschen erfasst und zu Friedensboten gemacht habe. „Diese Friedensbewegung hat im Himmel bei Gott begonnen, auf Erden setzt sie sich fort.“ Deshalb sei die Geburt Jesu „eine weltbewegende Sache. Gott zu ehren und in seinem Namen für den Frieden auf Erden einzutreten, sei die Antwort und der Dank „für das Geschenk, das uns Gott mit der Geburt seines Sohnes zu Weihnachten gemacht hat“; erklärt Bischof Hein.

Schriftführer Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz (zusammen mit Propst Ansgar Lüttel) – Gemeinsame Weihnachtsbotschaft der evangelischen und katholischen Kirche in Bremen: Das Kind in der Krippe macht Weihnachten fröhlich

    „Wer an Weihnachten fröhlich an der Krippe steht, sollte den Mut gewinnen, sich für die Nöte der Kinder in unserem Land und in der Welt einzusetzen.“ Dazu fordern die leitenden Geistlichen der evangelischen und katholischen Kirche in Bremen, Pastor Louis- Ferdinand von Zobeltitz und Propst Ansgar Lüttel, in ihrer Weihnachtsbotschaft auf. Gott werde Mensch in einem schutzlosen Kind, für dessen Geburt kein Platz in der Herberge ist. Diese Geschichte zeige, dass Kinder ein Segen Gottes sind. In ihnen und mit ihnen gewinne die Welt ihre Zukunft, schreiben von Zobeltitz und Lüttel in ihrer Weihnachtsbotschaft, die vom Weserkurier am 24. Dezember veröffentlicht wird. Weiter heißt es darin: „Unsere kinderarme Gesellschaft braucht Mut und Vertrauen, dass Gott uns in jedem geborenen Kind mit dem Wunder des Lebens beschenkt. Kinder dürfen nicht vor allem und zuerst als Kostenfaktor oder Karrierekiller thematisiert werden. Eine Gesellschaft, die nicht vorbehaltlos und großzügig Kinder in ihre Gemeinschaft aufnimmt, beraubt sich ihrer Zukunft. Die in unserem Land wachsende Kinderarmut, von der heute schon mehr als eine Million Kinder betroffen sind, müssen wir überwinden. Investitionen in Kindergärten und Schulen müssen erste Priorität haben. Das Wohl der Kinder als Geschenk Gottes wird zum Prüfstein einer Politik werden, die sich von Weihnachten begeistern lässt.“

    Das gelte auch für die internationale Politik, schreiben Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz und Propst Ansgar Lüttel: „Die Armut von mehr als einer Milliarde Kinder ist ein Skandal. Die Weltgemeinschaft gibt zwar mehr als 950 Milliarden Dollar für Rüstung aus, aber die für das Wohl der Kinder weltweit notwendigen 40 bis 70 Milliarden Dollar kann sie nicht erübrigen. Dass Gott in einem schutzlosen Kind in unsere Welt gekommen ist, hat auch eine politische Dimension. Wer an Weihnachten fröhlich an der Krippe steht, sollte den Mut gewinnen, sich für die Nöte der Kinder in unserem Land und in der Welt einzusetzen.“

Landesbischof Jochen Bohl: Fest der Liebe vor dem Hintergrund tiefgehender Unsicherheit

    Weihnachten sei der Tag, an dem das Leben, so verworren es auch sei, durch die Liebe Gottes geheilt sein wolle, sagte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl am Heilig Abend in der Kreuzkirche in Dresden. Gottes Blick auf die Menschen sei ein liebender Blick „und wenn er auch die Dunkelheiten und Abhängigkeiten sieht, die zu uns gehören, so wendet er doch seinen Blick nicht ab“. Leibe sei das vielleicht stärkste Gefühl, zu der Menschen fähig seien, und das den Menschen geschenkt werde. Es könne das Leben bestimmen und verändern, so sei eben die Liebe „mehr und anderes als ein Gefühl, es ist ein Bewusstsein und eine Haltung“. Das Fest der Liebe feiern die Menschen in diesem Jahr vor dem Hintergrund zahlreicher und tiefgehender Unsicherheiten, beschreibt Bohl. Das Weihnachtsevangelium lenke die Blicke von den Schatten, die die Zeit werfe, in eine andere Richtung: „Wir sehen auf Gott, und auf seine Liebe zu uns.“

Landesbischof Gerhard Maier: Schon nah am Licht

    .Der erste Schritt hin zu Jesus Christus, dem Licht, das an Weihnachten in die Welt gekommen ist, sei die Erkenntnis der Finsternis: „Wer sich bewusst wird, dass sein Weg ins Dunkel führt, der ist schon nahe am Licht“, so Landesbischof Gerhard Maier in seiner Predigt. Dass es im Leben eines Menschen hell werde, sei ein Geschenk Gottes, betont Maier. „Wir Menschen können unser Leben ebenso wenig hell machen, wie sich eine Kerze selbst anzünden kann“, sagt er. Hell werden, so der Bischof weiter, bedeute konkret: Jesus Christus „ordnet, was wir in Unordnung gebracht haben. Er schenkt Frieden mit uns selbst, mit andern Menschen und mit Gott“.

Bischof Hans-Jürgen Abromeit: Gott will eine Kultur des Friedens

    Was in dieser Weihnachtsgeschichte sichtbar werde, gelte für das ganze Leben, erläutert der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit in seiner Predigt in der Christmette am Heiligen Abend im Greifswalder Dom: Dazu gehöre in den Familien gutes Essen und die richtige Stimmung. Deshalb seien auch die Kirchen festlich geschmückt. Deshalb singen viele Menschen gern „die wunderbaren, alten Lieder“. Dies sei gegründet in Gott und deshalb fasziniere diese weihnachtliche Atmosphäre seit nun schon vielen Jahrhunderten die Menschen und sie finden bis heute im christlichen Glauben Orientierung und Mut, Stärkung und Trost.

    Mehr als 700 Jahre nach der Ankündigung durch den Propheten Micha – „„Er wird der Friede sein“ – wurde Jesus Christus in Bethlehem geboren: Die Menschen sagten, mit seiner Geburt sei diese alte Prophezeiung erfüllt: „Ein Herrscher, ganz anders als normalerweise üblich. Er zeigte, wie die Liebe Menschen verändern kann und diese Menschen dann ihre Umgebung, ihre Beziehungen, ihre Familien, ihr Land und sogar die Welt.“ Gott selbst habe sich für diesen sanften, friedlichen Weg entschieden, weiß der pommersche Bischof: „Das Zeichen dafür ist das Kind, der Gottessohn in der Krippe. Ein Zeichen dafür, dass an die Stelle einer Kultur der Gewalt die Kraft einer Kultur des Friedens treten kann. Davon können wir uns immer wieder inspirieren lassen. Nicht nur zur Weihnachtszeit.“

Kirchenpräsident Helge Klassohn: Christliche Überzeugungen nicht beiseite schieben“

    In seinem Weihnachtswort hat Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Helge Klassohn, die Menschen dazu aufgerufen, sich die christlichen Wurzeln Europas stärker bewusst zu machen: „Gerade jetzt muss unsere Gesellschaft daran erinnert werden, dass sie im Tiefsten von christlichen Grundüberzeugungen bestimmt ist, die ohne zerstörerische Folgen für unser Land nicht beiseite geschoben werden dürfen.“

    Mit Blick auf die Altersstruktur in Deutschland sagte der Kirchenpräsident: „Das Lamento über den Geburtenrückgang ist unglaubwürdig, wenn nicht zugleich die Fremdheit oder gar Feindlichkeit in unserem wirtschaftlichen und politischen Leben gegenüber Kindern erkannt und überwunden wird. Das Weihnachtsfest mit seiner Erinnerung an die Geburt des Christuskindes in Betlehem mahnt uns hier ebenso zur Umkehr, wie auch gegenüber den Veränderungen unseres Sozial- und Arbeitsmarktsystems, die den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft gefährden.“ Er sehe mit Sorge den Auswirkungen des Hartz-IV-Gesetzes auf die finanzielle Situation vieler Familien, insbesondere Alleinerziehender entgegen.

    Im Hinblick auf die Weihnachtsgeschichte erinnerte Klassohn an die Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Tier: „Es hat seinen tiefen Sinn, dass zu den Darstellungen der Heiligen Familie in der ärmlichen Herberge zu Bethlehem an der Seite der Engel auch die Tiere gehören. Die unerhörte Grausamkeit und unbarmherzige Härte, mit der das moderne Geschäftsleben, zum Beispiel bei Tiertransporten, mit unseren Mitgeschöpfen umgeht, darf nicht hingenommen werden.“

    „Möge das Weihnachtsfest 2004 uns in unseren grundchristlichen Überzeugungen von dem, was wahre Menschlichkeit ausmacht, bestärken. Möge es uns Mut schenken, das kommende Jahr mit seinen Veränderungen in Glauben, Hoffnung und Liebe zu bestehen. Unsere Gesellschaft braucht solchen Mut, der mit der Bereitschaft zu Solidarität und Nächstenliebe, zu sozialer Verantwortung zusammengeht und die egoistische Gier zu überwinden vermag“, sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

Präses Alfred Buß: Dem Frieden Gottes Raum geben

    Aus eigener Kraft können Menschen die tiefen Risse und Brüche untereinander nicht heilen, aber sie können „dem Frieden Gottes Raum geben“. Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), sagte in seiner Predigt am 1. Weihnachtsfeiertag in der Neustädter Marienkirche (Bielefeld): „Gott gibt sich selber in den tiefen Riss, der zwischen Gott und Mensch, zwischen Menschen und Völkern und der sich in einem jeden von uns auftut.“ Der Friede müsse ebenso in jedem Einzelnen beginnen wie auch in der ganzen Welt „Raum und Wohnrecht bekommen“.

    Besonders in Bethlehem, dem Geburtsort Jesu, steht die Wirklichkeit in krassem Kontrast dazu: „Bethlehem 2004 ist ein Albtraum. Eine unüberwindliche Mauer zieht sich durch das Heilige Land.“ Durch den Bau des Sperrzauns, der Bethlehem ab Mai 2005 komplett einriegeln wird, seien erneut fünf Prozent des palästinensischen Territoriums enteignet worden, 130.000 Menschen in 19 Dörfern von ihrer Umgebung abgeschnitten und 14.000 Olivenbäume gefällt worden. Der Bewegungsradius in der Stadt wird nur noch fünf Kilometer betragen.

    Und doch, so der leitende Theologe der westfälischen Kirche, seien die heutigen Zustände in Bethlehem kein Argument gegen die Botschaft von damals. Denn biblische Verheißung spricht nach Überzeugung von Präses Buß nicht zuerst von heilem, sondern von zu heilendem Leben: „Tiefer hinab konnte und kann Gott nicht kommen, als gerade hier Mensch zu werden.“ Die Kluft zwischen der „Sehnsucht nach einem süßlichen Christkind“ und die „gewalttätige, kaum zu ertragende Wirklichkeit“ bleibe eine große Herausforderung. Vielleicht sei das Christfest deshalb immer nur eine kurze Episode im Jahreskreis, „weil wir alles Schmerzhafte, alles Elend in dieser Welt, das Durcheinander und Leiden an enttäuschter Hoffnung, alles, was uns fehlt, nicht verknüpfen wollen mit dem, der bei uns geboren werden will.“

Pfarrer Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes der EKD: Leben vom Nullpunkt her

    Angesichts der Unsicherheit, die die Hartz-IV-Reformen vielen Menschen beschert, steht für Diakonie-Präsident Jürgen Gohde die Weihnachtsgeschichte des Jahres 2004 im Matthäus-Evangelium, Kapitel 8. Ein gewaltiger Sturm versetzt die Jünger, allesamt erfahrene Fischer, in Angst und Schrecken. Jesus, der mit ihnen im Boot ist, schläft. Jesus zeige durch sein Verhalten seiner Kirche und den Menschen, die sich auf ihn verlassen, in diesem Moment etwas ganz Zentrales: "Er will gebeten und geweckt werden, um in unserem Leben Vertrauen zu stärken und im entscheidenden Moment seine Liebe auf die Waagschale zu werfen. Das ist Weihnachten." Gohde sieht genau darin die Aufgabe von Kirche und Diakonie: "Leben gestalten, Mut machen, Vertrauen stärken, da zu sein. Leben vom Nullpunkt her." Auf diesem Weg begleiten Gottes Engel, die als Boten der Liebe und des Lebens Mut machen sollen in diesen Weihnachtstagen und bei den Herausforderungen des kommenden Jahres.

Hannover, 23. Dezember 2004 Pressestelle der EKD Christof Vetter

ots-Originaltext: EKD Evangelische Kirche in Deutschland

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Herrenhäuser Strasse 12
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Telefon: 0511 - 2796 - 269
E-Mail: christof.vetter@ekd.de

Original-Content von: EKD Evangelische Kirche in Deutschland, übermittelt durch news aktuell

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