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23.05.2019 – 12:19

Deutsche Gesellschaft für Parodontologie

Professionelle Zahnreinigung - Was hilft wem?
Patienten brauchen Klarheit über Nutzen

Professionelle Zahnreinigung - Was hilft wem? / Patienten brauchen Klarheit über Nutzen
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Regensburg (ots)

"Verdacht auf Abzocke bei professioneller Zahnreinigung" oder "Die Zahnreinigung vom Profi ist umstritten": Am 6. Mai 2019 erschienen in verschiedenen Tageszeitungen im Stuttgarter Raum Artikel zum Thema professionelle Zahnreinigung (PZR), die hohe Wellen geschlagen und viele Patienten verunsichert haben. Die Artikel ziehen Schlussfolgerungen - neben PZR auch zum Thema Mundhygieneinstruktion (MHI) -, die in dieser Form weder sachlich haltbar noch für Patienten hilfreich sind. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) plädiert für mehr Klarheit im Umgang mit den Begrifflichkeiten. Parodontitis-Patienten müssen aufgeklärt werden, dass sie weitergehende und häufigere Unterstützung brauchen als junge parodontal Gesunde.

Eine gründliche Zahnreinigung bedeutet, die Zähne rundum von Zahnbelägen (zumeist bakterielle Plaque) zu befreien. Die Bakterien können die Zähne und das Zahnfleisch angreifen und Karies oder Zahnfleischentzündungen verursachen. Bei einer Parodontitis breitet sich die Entzündung auf den Zahnhalteapparat aus. Wird sie nicht behandelt, können die Zähne ihren Halt verlieren, sich lockern und letztlich ausfallen. Zahnarztpraxen bieten eine professionelle Zahnreinigung (PZR) an, um Karies oder einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen sowie nach einer Parodontitis-Behandlung zu verhindern, dass die Entzündung zurückkehrt.

Was bringt die PZR?

Die aktuelle Berichterstattung rund um das Thema PZR suggeriert, dass die professionelle Zahnreinigung für Patienten verzichtbar sei und keinen zusätzlichen Vorteil für die Mundgesundheit bringe. Prof. Dr. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der Goethe-Universität Frankfurt, wurde in den Artikeln zitiert und stellt klar: "Ja, bei parodontal gesunden jungen Erwachsenen ist die PZR verzichtbar, da eine Zahnreinigung zusätzlich zur Mundhygieneinstruktion (MHI) keinen zusätzlichen medizinischen Nutzen bewirkt." Durch die MHI kann die eigene Mundhygiene effektiv und nachhaltig verbessert werden - auch bei parodontal Gesunden. In den Tageszeitungen hieß es, "die MHI hätte den Vorteil, dass man sie im Idealfall nur einmal braucht". Diese Annahme weist Eickholz zurück. Menschen für eine effektive Mundhygiene zu schulen, brauche immer wieder Anstöße. Eine einmalige MHI führe nur im absoluten Ausnahmefall zu lebenslang effektiver Mundhygiene. Auch für die MHI müssen die Patienten je nach individuellem Risiko und Putzerfolg zum Teil mehrfach pro Jahr zum Zahnarzt gehen. Eickholz warnt, hier durch pauschale Darstellungen in den Medien falsche Hoffnungen - insbesondere für an Parodontitis erkrankte Menschen - zu wecken.

Patienten mit unterschiedlichen Bedürfnissen

Das Gesagte gilt nur für junge parodontal gesunde Menschen, nicht für den überwiegenden Teil der Gesamtbevölkerung. Laut Fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie (DMS V) leiden in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen 10 Prozent an schweren und weitere 48 Prozent an moderaten Parodontalerkrankungen. In der Gruppe der jungen Senioren liegen die entsprechenden Zahlen bei 25 bzw. gut 50 Prozent. Für diese Patienten geht es nicht allein um MHI oder PZR, sondern um die systematische Therapie von Parodontopathien oder unterstützende Parodontitistherapie (UPT). Insofern besteht zwischen den Aussagen von Prof. Eickholz, der der PZR für junge parodontal gesunde Personen den zusätzlichen Nutzen über die MHI hinaus abspricht, und dem in den Zeitungsartikeln ebenfalls zitierten Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Wolfgang Eßer, kein Gegensatz. Eßer bezeichnet die PZR als anerkannte Präventionsleistung und hat dabei nicht primär die jungen parodontal Gesunden im Auge. Entscheidend ist also die individuelle Mundgesundheitssituation der Patienten, die der Zahnarzt als Experte richtig einschätzen und entsprechende Präventions- oder Therapieempfehlungen patientengerecht aussprechen kann.

Mehr Klarheit bei Begrifflichkeiten

Die Begriffe MHI, PZR und UPT werden häufig durcheinander geworfen und PZR wie ein Überbegriff verwendet. Dabei umfasst die PZR grundsätzlich das Reinigen, Polieren und Fluoridieren der Zähne, nicht aber die MHI (siehe Infobox "Auf einen Blick"). Das führt zu Missverständnissen und verunsichert Patienten. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass Patienten, die an Parodontitis erkrankt sind, nicht allein mit MHI oder PZR auskommen. Eickholz macht darauf aufmerksam, dass sie systematisch aktiv parodontal therapiert und anschließend kontinuierlich nachbetreut werden müssen. Die UPT wird jedoch leider bisher - ebenso wie die PZR und die MHI - nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und muss von den Patienten selbst bezahlt werden. Das schürt auch Skepsis gegenüber dem Nutzen dieser wichtigen Nachsorge bei Parodontitispatienten. Aufgrund der Begriffsverwirrung bezeichnen viele Patienten, aber möglicherweise auch manche Zahnärzte das, was UPT ist, falsch als PZR. Die UPT geht aber weit über die PZR hinaus - eine wesentliche Information für Patienten, damit sie die einzelnen Schritte einer Behandlung nachvollziehen können und die Kosten für sie transparent sind. Insofern kann die aktuelle Diskussion dazu beitragen, zukünftig besser zwischen MHI, PZR und UPT zu differenzieren.

Fazit: Die durch die aktuelle Berichterstattung angestoßene Diskussion lässt sich nutzen, sorgfältiger mit den Begrifflichkeiten MHI, PZR und UPT umzugehen und mehr Klarheit für Patienten zu schaffen. Pauschale Urteile über den Nutzen bestimmter Maßnahmen für alle Patientengruppen helfen niemandem. Die DG PARO unterstützt dieses Streben nach Klarheit durch Publikationen, Patientenaufklärung, Fortbildungsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit seit Jahren.

Auf einen Blick: MHI, PZR und UPT - was ist was?

Mundhygiene-Instruktion (MHI)

   - Für wen: grundsätzlich für jeden Patienten empfehlenswert
   - Wie oft: bis zu viermal jährlich
   - Was wird gemacht: Informationen über die Zusammenhänge von 
     bakteriellen Zahnbelägen (Plaque), Karies und Parodontitis; 
     Anfärben der Plaque auf den Zähnen; Erhebung von Indizes zur 
     Quantifizierung der Menge der Zahnbeläge und des Ausmaßes der 
     Zahnfleischentzündung; Erläuterung von Schwachstellen der 
     eigenen Mundhygiene und Demonstration von individuell geeigneten
     Mundhygienemaßnahmen und -hilfsmitteln für zuhause 

Professionelle Zahnreinigung (PZR)

   - Für wen: Patienten mit erhöhtem Karies- und/oder 
     Parodontitis-Risiko; Patienten, die eine MHI bekommen haben, 
     aber die alten Beläge nicht selbst wegputzen möchten; zur 
     Entfernung kosmetisch störender Zahnbeläge (z.B. durch Rauchen, 
     Kaffee, Tee)
   - Wie oft: in Abhängigkeit vom individuellen Risiko bzw. Bedarf 
     (Verfärbungen) bis zu viermal jährlich
   - Was wird gemacht: Reinigen und Entfernen von bakteriellen 
     Zahnbelägen und Verfärbungen an den Zahnoberflächen; Polieren; 
     Fluoridierung der Zähne (Leistungsbeschreibung nach 
     Gebührenordnung für Zahnärzte [GOZ]) 

Unterstützende Parodontitistherapie (UPT)

   - Für wen: Patienten, die bereits an Parodontitis erkrankt waren 
     und sich einer aktiven Behandlung (systematische 
     Parodontitistherapie) unterzogen haben
   - Wie oft: je nach individuellem Patientenrisiko ein- bis viermal 
     jährlich
   - Was wird gemacht: Mundhygiene-Instruktion und Motivation des 
     Patienten; professionelle mechanische Plaqueentfernung; Erhebung
     des aktuellen Entzündungs- und Mundhygienezustandes; Messung der
     Zahnfleischtaschentiefen (Parodontalstatus); falls notwendig: 
     Reinigung (wieder-) erkrankter und vertiefter Zahnfleischtaschen 

Quellen:

Hugoson A, Lundgren D, Asklöw B, Borgklint G: Effect of three different dental health programmes on young adult individuals: a randomized, blinded, controlled evaluation of oral hygiene behavior on plaque and gingivitis. J Clin Periodontol 2007;34:407-415.

Jordan, A. R. & Micheelis, W. (2016): Fünfte Köln: Deutscher Zahnärzte Verlag DÄV. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V).

Pressekontakt:

Gesellschaft:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.
Neufferstraße 1
93055 Regensburg
Tel.: +49 (0) 941/942799-0
kontakt@dgparo.de
www.dgparo.de

Agentur:
Dr. Martina Neunecker
Accente BizzComm GmbH
Lortzingstraße 1
65189 Wiesbaden
Tel.: +49 (0) 611/40 80-619
martina.neunecker@accente.de

Original-Content von: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, übermittelt durch news aktuell

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