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20.12.2010 – 19:45

Reporter ohne Grenzen e.V.

Belarus: ROG verurteilt Gewalt gegen Medienmitarbeiter nach Präsidentschaftswahl

Berlin (ots)

Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die polizeilichen Übergriffe auf Medienmitarbeiter nach der Präsidentschaftswahl am 19. Dezember in Belarus. Rund 20 Journalisten wurden nach Informationen der "Belarusian Association of Journalists" (BAJ), einer ROG-Partnerorganisation, bei Demonstrationen in Minsk nach der Wahl angegriffen. Etwa genauso viele Reporter wurden festgenommen. Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag hatte die belarussische Polizei eine Demonstration von Zehntausenden Regierungsgegnern gewaltsam aufgelöst und Hunderte Demonstranten festgenommen.

ROG und BAJ kritisieren die Anwendung polizeilicher Gewalt gegen Journalisten und Bürgerrechtsaktivisten aufs Schärfste. "Wir verlangen, dass die Behörden zu der Gewalt Stellung beziehen. Die Verantwortlichen müssen ausfindig gemacht und bestraft werden." Die Organisationen fordern die Regierung in Minsk außerdem auf, die festgenommenen Journalisten sofort freizulassen.

Eine Reihe von Journalisten wurde am 19. Dezember gegen 19 Uhr rund 50 Meter vom Wahlkampfbüro des Oppositionskandidaten Wladimir Nekljajew entfernt von Spezialkräften attackiert. James Hill, Fotograf der "New York Times", wurde geschlagen, während er versuchte, seine Pressekarte vorzuzeigen. Die Polizei beschlagnahmte Ausrüstung und Material von Medien, löschte Filmaufnahmen und Fotos.

Die regierungskritische belarussische Journalistin Irina Chalip wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember mitten in einer Live-Schalte von Polizisten geschlagen und festgenommen. Chalip berichtete gerade dem russischen Radiosender "Echo Moskwy" über die gewaltsame Niederschlagung der Proteste. Die Journalistin arbeitet unter anderem als belarussische Korrespondentin für die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" und ist die Ehefrau des belarussichen Oppositionskandidaten Andrej Sannikow.

Auch das BAJ-Vorstandsmitglied Sergej Wosnjak wird weiterhin festgehalten. Der Journalist und das BAJ-Mitglied Ilja Kusniazu wurde heute zudem wegen angeblicher "Teilnahme an einer illegalen Versammlung" zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt.

Spezialeinheiten drangen außerdem heute in die Büros des Online-Mediums "Charter97.org" ein. Einige Mitarbeiter wurden festgenommen und zum Hauptsitz des Geheimdienstes KGB gebracht. Die Chefredakteurin Natalia Radsina wurde während der Demonstrationen von Polizisten am Kopf verletzt und ist offenbar ebenfalls noch in Haft.

Von den staatlichen Repressionen sind auch die Neuen Medien betroffen: So waren etwa Seiten oppositioneller Gruppen oder unabhängige Nachrichtenseiten DDoS (Distributed Denial of Service) -Angriffen ausgesetzt.

Pressekontakt:

Reporter ohne Grenzen
Anja Viohl
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T: +49 (0)30 202 15 10 - 16
F: +49 (0)30 202 15 10 - 29

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